Wortschatz der Eurener Mundart

von Thomas P. Reuter

Vir esa Mottaspraoch ies schummen!
Dat maachen äamaol mir net mat.
U wenn sa ies och Staadta nennen,
Ma bleiwe bei dem Eirna Platt.

Ludwig Steinbach

Heute spricht man bei uns ein Gemisch aus Trierer Platt, Eurener Mundart und Hochdeutsch - Hochdeitsch mat Streifen wie wir Eurener dieses spöttelnd nennen. Vieles aus der Eurener Mundart geht dabei immer mehr verloren. So mancher Ausdruck, den unsere Großeltern noch regelmäßig benutzten, ist uns schon unbekannt geworden. Wer weiß denn noch was ein Bunscheknuppat ist, eine Schniebes- oder Galliebox; ein Schänzi, ein Quäaschareck oder ein Perdskriewela; wer von uns spielt heute Paua oder mit dem Daop?

Manch einer schämt sich der heimischen Mundart, läßt sie doch den bäuerlichen Charakter nicht verleugnen. Jahrhunderte hindurch war Euren ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf dessen Bewohner fast ausschließlich Ackerbau betrieben, was in einer ganzen Reihe von Ausdrücken und Redensarten herauszulesen ist. In vielen dieser Redensarten kehren Bilder und Vergleiche wieder, die aus der Alltagsbeschäftigung, der Landwirtschaft, entstanden sind sowie aus genauer Beobachtung der Natur in ihren wechselnden Phasen. Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen des harten Alltags spricht aus diesen Redensarten oft ein gesunder, frischer und mitunter auch derber Humor.
Auch die lange Besatzung und Verwaltung unserer Heimat durch die Franzosen während der Jahre 1794 - 1814 hat ihre Spuren hinterlassen. Durch den daraus resultierenden täglichen Umgang mit den Soldaten sind uns viele Ausdrücke aus dem französischen Sprachschatz erhalten geblieben. So bezeichnet der Eurener beispielsweise einen Laden als Budik (frz. boutique), den Regenschirm als Papri (frz. parapluie), die Amsel als Märel (frz. merle), die Zimmerdecke als Plafong (frz. plafond), eine Flasche als Budell (frz. bouteille) und die Straßenrinne als Culang (frz. couler).

Der Wortschatz des Eurener Dialektes ist, wie bei Mundarten üblich, im Vergleich mit unserer hochdeutschen Sprache verhältnismäßig klein. Manche feinen Stimmungsbilder lassen sich in Mundart nur sehr schwer wiedergeben. Mundart ist stets einfach, klar sowie natur- und lebensverbunden. Der Wortschatz für konkrete Dinge ist wesentlich größer als der für das Gedankliche, Ideele.

Unserem Heimatdichter Ludwig Steinbach (1893-1944) verdanken wir, daß er einen großen Teil unserer heimischen Mundart aufgeschrieben und in der Eurener Chronik (1926-1935) veröffentlicht hat. Da das lautgemäße Schreiben einer Mundart vielerlei Schwierigkeiten in sich birgt - weist die Klangfarbe gewisser Vokale und Diphtonge häufig, selbst in örtlich begrenzten Bezirken, starke Unterschiede und Schattierungen auf - wollen wir die Lautschrift in ihrer einfachsten Form wiedergeben; so wie es uns Ludwig Steinbach vorgemacht hat.

Pflegen wir unsere Eurener Mundart als ein von unseren Großeltern geerbtes Gut.


A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z

A

Aachsestill m.: Achsenstiel – Dia wie en Leia, fett wie en A~. Dürr wie eine Leier, fett wie ein Achsenstiel.

Äaderes w.: Eidechse

Aaf m.: Affe – Lihr en aalen A~ käan Gramasse schneiden! Lehr einen alten Affen keine Grimassen schneiden! Redensart: Ein Alter will nicht belehrt sein.

Aai, Aaija s./Mz.: Ei, Eier – Kema deich net om ugeloht Aija! Kümmere dich nicht um ungelegte Eier! Redensart: Kümmere dich nicht um Dinge, die noch nicht fertig sind!

äaletzig: einzeln, allein, einfach

äandun: einerlei, gleichgültig

äaß wie äaß: einmal wie's andermal. Redensart: Eine Sache bleibt im Grunde genommen dieselbe.

äaßen: essen – Den Herrgott haot allerhand Kostgänga, awa käan, die neist äaßen. Der Herrgott hat allerhand Kostgänger, aber keine, die nichts essen.

alärd: munter; französisch: alerte

allgebott: jeden Augenblick, ständig

alligaoren: alle zusammen

Andillisch w.: Endivie – Wat aß dat en A~. Spöttische Bezeichnung für ein sonderbares Frauenzimmer. – Im lobenden und schmeichelnden Sinne sagt man auch von einem Mädchen: Et aß e Mädchi wie en A~.

Andillijenzalaot m.: Endiviensalat

Aotem m.: Atem – Spoar dein A~ fär de Zopp ze blaosen! Spar deinen Atem, um die Suppe zu blasen! Redensart: Mach keine unnützen Worte, sie finden doch kein Gehör! – En haot begäaß, den A~ ze ziehen. Er hat vergessen, den Atem zu ziehen. Redensart: Er ist gestorben.

Apel m.: Apfel – Den A~ fällt net weit vom Baam. Der Apfel fällt nicht weit vom Baum. – En A~ fär den Dooscht. Redensart: Ersparnis für den Notfall.

Apelbaamstee m.: Apfelbaumstee, Viez

Arbel: armvoll, Bündel

Arbischt w.: Arbeit – De soll da Deiwel hollen, den de A~ afond haot. Den soll der Teufel holen, der die Arbeit erfunden hat. – De A~ schmaackt ma net mieh; eich hun en Hoa dran fond. Die Arbeit schmeckt mir nicht mehr; ich habe ein Haar darin gefunden. (Vergleich mit der Suppe.) – En haot der A~ en Batsch gin. Er hat der Arbeit eine Ohrfeige verabreicht. Redensart: Er will nicht mehr arbeiten; er hat die Arbeit aufgegeben.

Aua w.: Uhr – Von zwölf A~ bis Mettig. Von zwölf Uhr bis Mittag. Redensart: Ein Gegenstand hält nicht lange. – De gäaht an zwölf A~ an de Elf-Aua-Maß. Der geht um 12 Uhr in die 11 Uhr-Messe. Redensart: Er geht reichlich spät zur Kirche.

auadäalisch:überzählig

Auasaach w.: Ursache

Auw, Auwen s./Mz.: Auge, Augen – De Auwen oda de Beidel ob. Die Augen oder den Beutel auf! Redensart: Man soll vorsichtig sein im Handeln sonst wird es teuer.

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B

baacken: backen – De Engelcha baacken. Die Englein backen. Kindlicher Vergleich beim Abendrot.

Bäan, Bäan s./Mz.: Bein, Beine – Ob äam Bäan gäaht ma net häam. Auf einem Beine geht man nicht nach Hause. Man muß mindestens zwei Pörzchen Viez getrunken haben. – En haot e Poa Bäan wie en Owerohr, net so dick, awa so schwarz. Er hat ein Paar Beine wie ein Ofenrohr, nicht so dick, aber so schwarz! – E gääht ob seine letzte Bäanen. Er geht auf seinen letzten Beinen d. h. er stirbt bald, in humoristischem Sinne gemeint. – Bäan wie Fexhelzja. Beine so dünn wie Streichhölzchen. – Ma mooß sich ob de henischt Bäan stellen. Man muß sich mit aller Kraft wehren. – De stäaht sich de Bäan an de Bouch. Er muß lange warten. – De läaft sich de Bäan stompisch. Er läuft sich die Beine ab, um etwas zu erreichen.

Bagadell w.: belanglose Sache, Kleinigkeit; französisch: la bagatelle

Baijas m.: Hampelmann, lustiger, närrischer Mensch

bannewenzig: inwendig

Baotz m.: Schimpfwort – Dou aale Baotz!

Barfwiazelcha s.: zarte Saugwürzelchen

Batsch w.: Ohrfeige

batschen: schlagen

Batschhändchi s.: Handschlag eines Kindes.

Baua m.: Bauer – Wat de Baua net kennt, dat eßt en net. Eine Speise, die der Bauer nicht kennt, ißt er nicht.

Bauß w.: Beule

Beescht w.: Bürste – En haot en Abeditt wie e Beeschtebänna. Er hat einen Appetit wie ein Bürstenbinder, d. h. er hat einen guten Appetit.

begaacheln: jemand umgarnen, ins Netz locken, für eine Sache zu gewinnen suchen – Dou geß ganz begaachelt.

Beidel m.: Beutel – So gäaht et an da Welt; den äanen haot de Beidel, den anneren haot et Geld. So geht es in der Welt; der eine hat den Beutel, der andere hat's Geld. Redensart: Das Vermögen ist auf Erden ungleichmäßig verteilt.

Beitzi s.: junges Rind

Besch m.: Wald, hergeleitet von Busch, Gebüsch

bladdadings: ohne Überlegung, ohne weiteres, blindlings

Blaat, Bleeda s./Mz.: Blatt, Blätter

blan: blind – En blan Sou fend och maol en Äachel. Eine blinde Sau findet auch mal eine Eichel. – E blan Huhn fend och maol e Kiachi. Ein blindes Huhn findet auch mal ein Körnchen.

Bletzabläata m.: Blitzableiter; scherzweise auch für die Spitze des Regenschirmes gebraucht

Bibchi s.: Hühnchen (Kindersprache)

bieß: böse – biese Buppes, Drohwort für Kinder

bietzen, gebut, ubietzen: nähen, genäht, annähen

Bietzkerfi s.: Nähkörbchen

Blomeboa m.: Blumentopf

Bobeskaotz s.: Schreckwort für kleine Kinder

bochen: drohen, schimpfen – Et Herrgottchi bocht! sagt man drohend den Kindern, wenn sie nicht brav sind, besonders beim Gewitter, wenn es donnert.

Bohnestaaf, Bohnesteef s./Mz.: Bohnenstange, Bohnenstangen – En aß dia wie e Bohnestaaf. Er ist dürr wie eine Bohnenstange.

Boll w.: Schöpflöffel

Bommes m.: Viezkrug

Bomplekaap w.: Bommelmütze – De Bomplekaap unduhn, sich maskieren

Bongat m.: Bungert, entstanden aus Baumgarten – Dou gäahß ob de Bongat. Bald geht's mit dir auf den Friedhof.

Bottaschmia s.: Butterbrot – Dou siehs ous wie en aobgelääckt Bottaschmia. Du siehst aus wie ein abgelecktes Butterbrot. Du siehst nicht gut aus.

botzen: putzen, abräumen – De Platt botzen. Bei Tisch alles aufzehren. Nach gewonnenem Spiel die ganze Kasse einziehen.

Box w.: Hose – De Box raob! Sagt man beim Skatspielen.

Boxentienes m.: kleiner Junge, der zum ersten Male Hosen trägt

Bouch m.: Bauch – Dem sein Auwen sei grußa wie de B~. Dem sind die Augen größer als der Bauch. Redensart: Er ißt mehr als er vertragen kann. – Den haot e schlaue Bouch, et aß nemme schod, dat e mooß Krompren äaßen. Er hat einen schlauen Bauch; es ist nur schade, daß er Kartoffeln essen muß. Redensart: Er ist überschlau oder superklug.

Bousch w.: Garbe – en Bousch Strieh, eine Garbe Stroh – En Koat oda en Bousch Strieh! Aufforderung zu Weiterspielen beim Kartenspiel.

Boutzi w.: Kuh in der Kindersprache

Bua m.: ständig laufender Brunnen – auch Bur – Biachi, Brünnchen

Buddel s.: Flasche; französisch: la bouteille

Budik m.: Kramladen; französisch: la boutique

Bulles s.: Gefängnis

Bun w.: Bahn – Eisebun, Eisenbahn – Käalebun, Kegelbahn

Bunnes m.: junges Rind

Bunscheknupat m.: Purzelbaum

Butsch w.: Ziege

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C

Hei get et naoch neist. Hier gibt es noch nichts.

 
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D

Däaß m.: Heuboden oder Lagerraum für Stroh

daks: oft

Daop m.: Kreisel – Dilldaop, scherzhafte Bezeichnung für ein Kind insbesondere in Bezug auf seine kleine Gestalt. – Daop spillen. Den Kreisel mittels umwickelter Schnur in Bewegung setzen.

Däts m.: Kopf; französisch: la tête

Daua s.: Mitleid – Daua hun mat äam. Mitleid mit jemandem haben.

Deftla m.: Grübler, Mensch, der viel über Kleinigkeiten nachzudenken pflegt – defteln, ausklügeln

deialich: schlecht – En aß deialich. Er sieht schlecht aus. – E kuckt deialich dran.

deijen: drücken – gedout, gedrückt

deista: dunkel, düster

Deistadeppchi s.: Kind, das immer ein trübes Gesicht macht

Deiwel m.: Teufel – En aß vasääß ob eppes wie der Deiwel ob en arm Seel. Er ist versessen auf etwas wie der Teufel auf eine arme Seele. Er geht einer bestimmten Sache mit größtem Eifer nach. – Den haot den Deiwel am Leif. Der hat den Teufel im Leibe; ist ein frecher, ungezogener Kerl.

denischtendewischt: durcheinander, drunter und drüber

Dia w.: Tür – Dene kemt et zu Dia und Fensta ran. Denen kommt's zur Tür und Fenster herein, nämlich das Geld. Sie machen gute Geschäfte.

Dou: Du – Dou kems naoch hanna den Dom. Du kommst noch ins Gefängnis. Das Gefängnis befand sich einst hinter dem Trierer Dom.

Dommeldich m.: jemand der sich beeilt – De Langsam leeft naoch, den Dommeldich haot den Hals gebraoch. Eile mit Weile!

Doudestel w.: Ackergänsedistel

Douschen: rauschen – En aß am Dousch. Er ist im Eifer oder betrunken.

Dräack m.: Dreck, Schmutz – Geld an den Dräack schmeißen. Geld in den Dreck werfen; unnütz Geld ausgeben. – Ma mäant, dou hätts Dräack an da Grapp. Das sagt man einem, der es nicht versteht, fest anzupacken. – Wenn Dräack zu Mest get, da wel e gefoa gin. Wenn Dreck zu Mist geworden ist, will er gefahren sein. Redewendung für einen Menschen, der, nachdem er es zu Vermögen gebracht hat, es sich bequem macht.

Drieschel w.: Drossel

dusma: sachte, leise, behutsam; französisch: doucement

Duß, Dußdeppen w.: abgenutzter Blechbehälter, Dose. – En aal Dußdeppen. Schimpfname für eine alte Frau.

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E

Ehmchi: Anrede für einen älteren Mann – Den Ehmchi Theiß. Ehmchi stammt aus dem Hochdeutschen Oheim.

emmes: jemand, eine unbestimmte Person

erkobern: sich erholen von einer Krankheit

expreß: absichtlich, ausdrücklich; französisch: exprès, expresse

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F

Feibel m.: Schmetterling – auch gebräuchlich für ein auffällig geputztes Mädchen

Feldhiehna w.: scherzhafte Bezeichnung für Kartoffeln – Feldhiehncha, kleine Kartoffeln

Fiedamandel m.: runder, aus Weiden geflochtener Korb zum Viehfüttern. – En Fiedamandel voll. In der Bedeutung: übertrieben voll.

Fißäal s.: dünnes Seil, dünner Bindfaden; französisch: la ficelle

Flantamous w.: Fledermaus

flegg: flügge, munter. – Flegg wie e Liachi. Munter wie eine Lerche.

Flieten: Flügel – Äam Fliete maachen, jemanden hinauswerfen.

Fodel m.: Lehnstuhl, Liegestuhl; französisch: fauteuil

Fosend w.: Fastnacht

Fosgäack m.: Faschingsgeck

Fosensgeschier w.: Karnevalskleidung

foutlen: falsch spielen, betrügen; französisch: la faute

Fräaßsaack m.:gefräßiger Mensch – E Fräaßsaack haot e lang gesträackte Maoren. Ein gefräßiger Mensch hat einen lang gestreckten Magen. Er kann viel vertragen.

Fraleitsnoa m.: Frauennarr, Damenfreund, Schürzenjäger

freden: fühlen, tasten; französisch: frotter– gefroden, gefühlt

Fruht w.: Frucht, Getreide – Fruht wie Hoa ob em Honn. Das Getreide steht so dicht wie das Haar auf dem Hunde.

Fuda s.: Maßbezeichnung – Angewandt in der Bedeutung "viel". E kann e Fuda vatraon. Er kann ein Fuder vertragen. Er kann im Trinken viel vertragen.

Fuhreckisch w.: Obst- und Gemüsehändlerin

En Fumm: Spottname für eine korpulente Frau

Fundel w.: Fahne

Furchet w.: Gabel; französisch: la fourchette

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G

Gäaß w.: Ziege, Geiß – De Gäaß fär de Knedeln halen. Umsonst arbeiten. Arbeit, die keinen Gewinn bringt.

Gäaßel w.: Geißel, Peitsche

gaapsen: gähnen

Gääscht w.: Gerste

Gääschtebriet w.: Gerstenbrühe, dünner Kaffee aus selbstgebranntem Getreide

Gaijen w.: die stacheligen Schalen der Kesten

Galjebox w.: Knabenhose mit Hosenträgern

Gaokes m.: Hahn; französisch: le coq

gausen: vergeuden, verschwenden

Gebäatz s.: Obstmus, gekochte Früchte für Brotaufstrich

gedellig: geduldig

gedelisch: günstig, auch mittelmäßig, normal – Dou kems ma grad gedelisch. Du kommst mir gerade zur rechten Zeit. – En gedelisch Krompa. Eine mitteldicke Kartoffel.

geden: jäten

gedicht: zielsicher, treffsicher

gedoudevoll: übervoll

geele Schneider m.: gelber Salamander

Gehansfinkelcha m.: Johanniskäfer, Glühwürmchen

geheien: quälen, belästigen, plagen – Leitsgeheia, Quälgeist

geilen: spotten – ausgeilen, ausspotten

gemellig: bequem, angenehm

Gläckelchi s.: Glöckchen – En haot e Gläckelchi lauden hieren, e wäaß awa net wo. Er hat ein Glöcklein läuten hören, weiß aber nicht wo. Er hat etwas reden hören, weiß aber nichts Genaues.

Glasa m.: Glaser – Wa dei Vatta Glasa? War dein Vater Glaser? fragt man jemanden, der im Licht steht.

glott: wählerisch im Essen

Gluß w.: Glut – glusen, glühen

Gopen m.: Haufen

Got w.: Patin

Gräaf w.: Mistgabel

graijen: Fett auslassen; französisch: graillonner

Grapp s.: Handvoll – Et kemt ob en Grapp voll net un. Es kommt auf eine Handvoll nicht an. Es geht nicht so genau her, auch nicht mit der Wahrheit.

graulen: sich fürchten, Angst haben – Grouli, Angstmeier, Angsthase – E grault wie der Deiwel et Weihwaassa. Er fürchtet sich sehr.

Griescheln w.: Stachelbeeren; französisch: grosaille

Grischel m.: Turmfalke

grommeln: vor sich hinbrummen; französisch: grommeler

Guguck m.: Kuckuck – Den hiat de Guguck net mieh rufen. Der hört den Kuckuck nicht mehr rufen, d. h. er erlebt das Frühjahr nicht mehr.

Gurman m.: gefräßiger Mensch; französisch: gourmand

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H

Häadespektakel s.: Heidenspektakel, großer Lärm

Häamwieh s.: Heimweh

häaschern: betteln – en Häascha, Bettler oder Bettlerin

Haijel w.: Hacke – Heckelkächelchi, kleine Jäthacke

Haigäack w.: Leiter am Heuwagen, unter deren Sprossen der Wiesbaum geschoben wird zum besseren Zusammenziehen des Heues

Haispringa m.: Heuschreck

hannarecks: rückwärts

hannawands: hinter der Wand, geschützt, windgeschützt

haos: hastig – Net ze haos! Nicht zu hastig!

Härd w.: Herde – En Härd. In der Bedeutung "viele".

hauwen: hauen, schlagen – Eich hauwen da äan, datste de Engelcha am Himmel peifen hias. Ich haue dir eine runter, daß du die Engelchen im Himmel pfeifen hörst.

Hehnt w.: Nacht – Dat wa en schrao Hehnt. Das war eine schlimme Nacht – hehnt Noot, diese Nacht, die letzte Nacht.

Herst m.: Herbst

Herrgottsdiachi s.: Herrgottstierchen, Marienkäfer

Hiehnasedel w.: Ruhestange für Hühner

Hiehnchi s.: Hühnchen – Ma hun naoch en Hiehnchi matenanna ze roppen. Wir haben noch ein Hühnchen miteinander zu rupfen. Redensart: Wir haben noch eine Sache auszutragen, die noch nicht erledigt ist.

Himp, Himma s./Mz.: Hemd, Hemden – E get et Himp vom Leif. Er gibt das Hemd vom Leibe weg; ist sehr freigebig. – Kinderreim: Hanna H... (irgendein mit H beginnender Familienname) härem Hous hänken honnat Himma rous.

Hinkel s.: Küken oder junges Huhn – En domm Hinkel. Ein dummes Kind, bzw. ein dummes Mädchen.

Hissi m.: Gerichtsvollzieher; französisch: le huissier

Haohl m.: Hängel, heute nicht mehr gebräuchliches Küchengerät

haos: hastig – Net ze haos! Nicht zu hastig!

Haot w.: Hotte, Rückentragkorb; französisch: hotte – Et get en Haot voll. Es gibt viele "Augen" oder "Stiche" beim Kartenspiel. Ausdruck auch angewandt beim Kegelspiel.

Hond, Honn m./Mz.: Hund, Hunde – Dem freßt käan Hond e Steck Brot aus da Grapp. Dem frißt kein Hund ein Stück Brot aus der Hand; dafür ist dieser Mensch viel zu schlecht. – Em biesen Hond schmeißt ma bessa en Knaoch an de Seit. Einem bösen Hund wirft man besser einen Knochen hin. Einem bösen Menschen gibt man besser nach. – Jong Honn käafen. Junge Hunde kaufen. Diese nichtssagende Antwort erhält man auf die vorwitzige Frage: Wo gäaste hin?

Hondsääsch w.: Früchte der Mispel

honnat: hundert – Ma mäant, e wia honnat un äa Joa alt. Man meint, er sei steinalt. – E leeft an d' Honnat bis d' Dausend voll aß. Er lebt drauf los. – Den Honnatsten wäaß neist davunn. Die meisten Leute wissen nichts davon.

hotz, haar, hie, hiefzreck, jou: rechts, links, halt, zurück, vorwärts. Kommandos für das Gespannvieh.

Howa m.: Hafer – Die Perd, die de Howa vadient hun, krieh käan. Die Pferde, die den Hafer verdient haben, bekommen keinen.

Hua, Hirna s./Mz.: Horn, Hörner – Hiachi, Hörnchen

Humma m.: Hammer – Gummihumma, Gummihammer

Hummen s.: Pferdekummet

Hureil s.: alter Eurener Ausdruck für ein mutwilliges, zu mancherlei Streichen aufgelegtes Mädchen.

Hurangel w.: Hornisse, auch gebräuchlich für Wespe

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I

idrijen: wiederkäuen

 
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J

jaunern: jammern

Jesses m.: Jesus – Jesses, Johnen, da Kanna! Ausruf des Erschreckens oder der Überraschung.

Joa s.: Jahr – Da Joa. Im vorigen Jahre oder noch länger zurückliegend. – Den aß an em belligen Joa jonk geweß. Der ist in einem billigen Jahre jung gewesen, sagt man von einem Verschwender. – Dou siehs ous wie en deija Joa. Du siehst aus wie ein teueres Jahr.

jonk: jung – Wen net alt will gennen, de mooß sich jonk vabrenne laoßen. Wer nicht alt will werden, der muß sich jung verbrennen lassen.

joutzen: schreien, schimpfen, Vorwürfe machen – Eich hu gejoutzt krieht.

Jufablom m.: Klatschmohn

juckeln: wackeln – De Sondesbox juckelt. Die Sonntagshose wackelt. Dieser Redewendung bedient man sich scherzweise beim Läuten der Betglocke am Samstagabend.

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K

Käalen m.: Kegel – De Engelcha scheiwen Käalen. Die Engelchen beschäftigen sich mit Kegelspiel. Kindlicher Vergleich beim Donnern.

Käat, Käaten w./Mz.: Kette, Ketten – Et get mieh Käaten wie raosen Honn. Es gibt mehr Ketten als rasende Hunde.

Käateblomen: Blüten des Löwenzahn, so genannt, weil die Kinder aus den hohlen Stengeln dieser Pflanze Ketten herzustellen pflegen.

Kaatz w.: Katze – Sa vatraon sich wie Kaatz und Hond. Sie vertragen sich wie Katze und Hund, das heißt sie vertragen sich schlecht. – Ma soll käan Kaatz am Saack käafen. Man soll keine Katze im Sack kaufen. Man soll keine Ware kaufen, ohne sie vorher gesehen zu haben. – De jäscht käan Kaatz aus da Aäschkaul. Der jagt keine Katze aus der Aschengrube. Er leistet nicht viel; kann nichts.

Kaatzeschwanz m.: Ackerschachtelhalm

Kaap w.: Mütze

Kadein w.: Gardine

Kand, Kanna s./Mz.: Kind, Kinder – Kläan Kanna, kläan Sorjen; gruuß Kanna, gruuß Sorjen. Kleine Kinder, kleine Sorgen; große Kinder, große Sorgen. – Ous Kanna gin Leit. Kinder werden groß, bzw. erwachsen. – Die Kanna und dir Leit! Ausruf des Erschreckens oder der Überraschung. – Kindchi, Kindchen.

Kaop m.: Kopf – Den haot e Kaop, ma könnt Wänn damat arennen. Der hat einen Kopf, mit dem man Wände einrennen könnte. Dickkopf, Narrkopf. – E Kaop wie e Bauerebahnhof. Großer Kopf, dicker Schädel. – Wat ma net am Kaop haot, mooß ma an de Bäanen hun. Was man nicht im Kopf hat, muß man in den Beinen haben. Redensart: Wenn man etwas vergessen hat, muß man nochmal gehen.

Kapestiatisch s.: Kartoffeln mit Sauerkraut gemischt

Kasseroll m.: Kochkessel; französisch: la casserole

Kaul w.: Grube – Mestekaul, Düngergrube – Läahmkaul, Lehmgrube – Lircheskaul, Lerchenfangplatz

keckeln: kichern

Keeschbaam m.: Kirschbaum – Bruda hin, Bruda her, bleif ma von meim Keeschbaam! Bruder hin, Bruder her, bleib mir von meinem Kirschbaum weg! Wenn du auch mein Bruder bist, so darfst du dir doch nicht alles erlauben.

keimen: klagen, seufzen, sich beschweren

Kellaschraot m.: Treppeneingang zum Keller

Kerchesena m.: Kirchenschöffe, Sendschöffe

Kewarek m.: Maikäfer

Keik s.: Dachfenster, Dachlucke

Kiazefrääßa m.: Kerzenfresser, Hungerleider

Kissi s.: Schweinchen – Kiß, Kiß! Lockruf für Schweine.

klaken: mit der Peitsche knallen; französisch: claquer

klammen: klettern – Pitt klamm rob, de Bäre kommen!

Kleefi s.: kurze Tabakspfeife

Knaaf, Knäaf m./Mz.: Knopf, Knöpfe – Bouchknaaf, Bauchnabel

Klunsch w.: Schaukel – klunschen, schaukeln

knaotern: vor sich hinbrummen, murren

knatschisch: weich – knatschisch Brot, schlecht durchbackenes Brot

Knausat m.: allzu sparsamer Mensch, Geizhals

knuppenhart: sehr hart

Kob, Koben m./Mz.: Rabe, Raben; französisch: corbeau

Koof w.: Spreu, Abfälle der Getreideähren beim Dreschen

Komkoma w.: Gurke; französisch: concombre – Wat haot den en Komkoma am Gesieht. Was hat der eine Gurke im Gesicht. Gemeint ist eine übergroße, unschöne Nase.

kontabossisch: kunterbunt; aber auch merkwürdig, komisch, spaßig

Koos m.: Eichenstamm; Koos stammt aus dem Keltischen Wort "Cäs".

Kooscht w.: Kruste – Brotkooscht, Brotkruste – E kuckt so alärd dran, wie en Maus aus a Brotkooscht. – Den haot käan Kooscht Brot mieh am Haus. Der hat kein Stückchen Brot mehr im Hause. Er ist arm, leidet Hunger. – Keeschtchi, Verkleinerungsform

Korf m.: Korb; französisch:corbeille

krangeln: klagen, jammern

Kraop, Krääp m./Mz.: Kropf; Kröpfe

Kraopen m.: Haken – Kräpchi, Häkchen

Krehauwen s.: Hühneraugen

Kretzen s.: Kartoffelschalen, Speiseüberreste, Küchenabfälle

kriedelisch: empfindlich, kleinlich

Kriewen s.: die Reste von ausgelassenem Fett

Krompa, Krompren w./Mz.: Kartoffel, Kartoffeln; eigentlich Grundbirne – Krompren wie Kannakääp. Kartoffeln wie Kinderköpfe; schöne dicke Kartoffeln.

Kromprenblomen w.: Pfingstrosen

Krongeln w.: Haarlocken

krouchen: kriechen

Kua s.: Korn

kujinieren: belästigen, quälen

Kulang w.: Rinne, Abfluß; französisch: couler

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L

Langkoof m.: Langbaum am Wagen

Läad s.: Leid – Et get käa grußa Läad, als wat ma sich selva undäaht. Es gibt kein größeres Leid als das, was man sich selber antut.

Läata w.: Leiter – We ma maol Geld ob da Läata fannen. Wenn wir mal Geld auf der Leiter finden. Wenn wir mal überflüssiges Geld haben, was wohl kaum vorkommen wird.

Laaf s.: Laub

laatschen: schleppend, langsam gehen

laafen: laufen

Lanta w.: Laterne; französisch: lanterne

laoß: überflüssig – laoß ledig

laudenhart: sehr laut

lehnen: leihen, borgen

leijen: liegen – De lest neist leijen wie gliedisch Eisen u Millestäan. Er läßt nichts liegen als nur glühendes Eisen und Mühlsteine. Er ist ein Dieb.

Leinzäachen w.: Narbe, Wundmal

Leista w.: Misteldrossel

Leit w.: Leute – Jong Leit könne sterwen, aal Leit meeße sterwen. Junge Leute können sterben, alte Leute müssen sterben.

Lewen s.: Leben – E Lewen wie Gott a Frankreich. Ein sorgenfreies Leben. – Dou siehs ous wie d' ewig Lewen. Du hast ein blühendes Aussehen.

Lewa w.: Leber – Den haot en trecken Lewa. Der hat eine trockene Leber, das heißt er hat immer Durst. – Dem aß en Lous iewa de Lewa gelaaf. Dem ist eine Laus über die Leber gelaufen. Er ist schlecht gelaunt.

Lousjong m.: Lausbub, frecher Junge

loustern: lauschen, horchen – Loustastopp, vorwitziger Mensch, der alles hören will.

Luhnen m.: Nagel der Radachse

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M

Määssa s.: Messer – E stompisch Mäassa schneid d' Waassa bis ob de Grond.

Mädacha s.: Mädchen – Mädacha wie de Billacha. Mädchen wie die Bildchen; bildschöne Mädchen.

malad: krank, schwach, matt; französisch: malade

Malör s.: Unglück; französisch: malheur

Maoren m.: Magen – En haot e behäalije Maoren. Er behält gut; hat ein gutes Gedächtnis.

Märel w.: Amsel; französisch: merle

Markolf m.: Eichelhäher

matzen dran: mitten drin

Maul s.: Mund – E reißt de Maul un de Uhren ob. Er reißt Mund und Ohren auf. Er tut ganz erstaunt. – De Maul laafe laoßen. Ohne Überlegung drauf losschwätzen. – En Maul wie e Gummischneß. Gutes Mundwerk, Schwätzer. – En aß net ob de Maul gefall. Er ist nicht auf den Mund gefallen. Er weiß zu antworten. – De Maul vabrennen. Den Mund verbrennen. Etwas sagen, was man nicht sagen soll.

Mek w.: Mücke

Meis w.: Mäuse – Wenn de Meis saat sein, dann aß d' Mel batta. Wenn die Mäuse satt sind, dann ist das Mehl bitter. Wenn man satt ist, schmeckt auch das beste Essen nicht mehr.

Mel s.: Mehl

mell: gar, gar gekocht, zart, weich – mell Weda, mildes Wetter

Mellisch w.: Milch – Dou haos fär haut dein Mellisch gin. Du hast für heute deine Milch gegeben. Du hast deins getan, du kannst jetzt gehen. – Wenn den Neid Mellisch geef, da bräucht ma käan Kieh mieh. Wenn der Neid Milch gäbe, dann brauchte man keine Kühe mehr.

Mest m.: Mist – Dat lao aß net ob deina Mest gewoos. Das ist nicht von Dir, das hast Du Dir von einem anderen angeeignet.

Miemi w.: Frau, auch in der Anrede gebraucht. Der Vorname der betreffenden Person wird hinter das Wort "Miemi" gesetzt, z. B. Miemi Liß.

miefern: wimmern, stöhnen

miljen: rühren, tunken

monieren: erinnern, ermahnen, auffordern, rügen; lateinisch: monere, admonère, admonitio

Moppen m.: kleine runde Kuchenplätzchen. – Un en Tut Muppen, Redewendung: Man verhält sich zu einer Sache ablehnend.

Moock w.: Kröte

Mort, Morten w./Mz.: Mohrrübe, Mohrrüben

Mostat m.: Senf; französisch: moutarde

Motta w.: Mutter

Mousuhren m.: Mausohren, Feldsalat

moutern: durchwühlen, durchsuchen

Moutsch s.: Versteck im Heu oder Stroh oder auf dem Speicher, wo man besonders Äpfel, Birnen, Nüsse und die Früchte der Mispel bis spät in den Winter hinein, aufbewahrte. Dieses Versteck, meist von Jugendlichen angelegt, wurde streng geheim gehalten, weil sonst die Gefahr bestand, daß die "Moutsch" gänzlich ausgeplündert wurde.

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N

Näjelcha s.: Nägelchen, Flieder, Fliederblüten

näpern: sich näheren, sich an jemanden heranmachen

neist: nichts – Fär neist un naomaol neist. Ohne Grund, ohne Ursache. – So wa naoch neist; so wa ze Lewen noch neist. So was ist noch nie vorgekommen.

nemmes: niemand

Neßkooch m.: Nußkuchen – O schweren Neßkooch! Ausdruck des Erstaunens.

Nof w.: Radnabe

Noos w.: Nase – Holl dich bei deina Noos! Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten, nicht um die anderer Leute. – Maach da e Knot an de Noos! Mach dir einen Knoten in die Nase, damit du eine Sache nicht vergisst. – Et aß em langst de Noos gang. Sein Plan ist ihm nicht geglückt. – Et sticht em an da Noos. Er ist scharf auf eine Sache; ist daran stark interessiert. – De laacht mat em ganze Gesiecht, mat da Noos extra. Der lacht mit dem ganzen Gesicht, mit der Nase noch besonders. – De Noos hech traon. Die Nase hoch tragen; stolz sein. – E sticht de Noos an jiden Dräack. Er steckt die Nase in jeden Dreck; kümmert sich um Dinge, die ihn garnichts angehen. – Ma sieht emt un da Noos aob. Man sieht ihm etwas an der Nase, am Gesicht ab. – Äam eppes ob de Noos bannen. Jemandem etwas mitteilen, Vorhaltungen machen. – Äam de Werm aus da Noos ziehen. Jemanden eingehend ausfragen.

nooswessisch: naseweis, vorwitzig

Noupen w.: Schwierigkeiten, Tücken, Fehler – De Wolf valiat sein Hoa, awa net sein Noupen. Der Wolf verliert seine Haare, aber nicht seine Fehler. Der Mensch kann sich äußerlich scheinbar ändern, im Grunde seines Herzens aber behält er seine bösen Charaktereigenschaften bei.

Nunnefiazja s.: kleine Ölkuchenstückchen, vornehmlich für Fastnacht und Kirmes gebacken – auch Nunnebredacha

Nuckes s.: Schwein – Nuckessi, Schweinchen

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O

o dschiß: Ausdruck des Ärgers, der Bewunderung oder des Erstaunens – o dschißannen, o fuddadschißhannen, sackadschiß, o dsching, dschings net nao! Weitere Ausdrücke, die bei den einzelnen Eurener Familien in mancherlei Variationen und Modulationen im Sprachgebrauch sind.

Omgeräaß s.: alle Teile eines geschlachteten Stück Viehes außer dem Rumpf, sowie Magen, Därme, Herz, Lunge, Leber, Kopf und Füße.

ordonnieren: anordnen, befehlen; französisch: ordonner

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P

Paap m.: Dreck, Schlamm – paapisch, schlammig

Paljasch s.: einfaches Lager; französisch: paillasse

Paol m.: Pfahl

Papeija s.: Papier

Parpri m.: Regenschirm; französisch: parapluie

Pasett s.: Überschlag; französisch: passette – En Pasett schlaon. Sich überschlagen, einen Purzelbaum schlagen.

Paua m.: Spielball

peifen: pfeifen – E peift wie en Organist.

Perdskriewela m.: Mistkäfer

perdsmestgrien: wörtlich: pferdemistgrün; humorvoll klingendes Grad in der grünen Farbenskala

petschen: kneifen, zwicken

Petz m.: Ziehbrunnen – Denn wie Petzewaassa. Dünn wie Wasser aus einem Ziehbrunnen. Ein verwässertes Getränk.

piateln: die Türe auf und zu machen, ständig hin- und herlaufen – En aale Piatla. Ein ruheloser Mensch, der häufig ein- und ausläuft und so stets die Türe in Bewegung hält.

piedeln: an Kleinigkeiten herumarbeiten, nesteln

piehaohlijenschwarz: schwarz wie Pech und "Haohl", stärkste Steigerung des Eigenschaftswortes schwarz

plaacken: werfen – De Pan plaacken. Eine Sache zur Ausführung bringen, in lobendem wie in tadelndem Sinne.

Plafong w.: Zimmerdecke; französisch: plafond

plecken: pflücken

plieren: verlieren – plua, verloren

Ploochrad s.: Pflugrad, auch für ein Fünfmarkstück in humoristischem Sinne gebraucht

ploden: Pflanzen teilweise entblättern z. B. Runkelrüben

plouschen: Die Körner aus den Getreideähren herausschlagen. Hierbei wird nicht der Dreschflegel benutzt, sondern die Ähren werden mit der Hand über den Rand eines Fasses oder eines anderen Gefäßes geschlagen, so daß die Körner in das Gefäß fallen. Dadurch erreicht man, daß das Stroh, das man für bestimmte Zwecke verwenden will, nicht zerschlagen oder geknickt wird, wie dies beim Dreschen der Fall ist.

Pöllchi s.: Hühnchen; französisch: poule

Poot w.: Pfote – Et get Pooten. Strafe in der Schule durch Stockhiebe auf die ausgestreckte innere Handfläche. – Huppen aß poot. Beim Nachlaufspiel der Kinder gilt das Niederhocken als Ruhepause, für deren Dauer man vom weiteren Spiel entbunden ist.

Powai s.: Straßenpflaster, Steinpflaster; französisch Pavé

Praumel w.: Pflaume

Preiß, Preisen m./Mz.: Soldat, Soldaten; ursprünglich Preuße,wurde aber in der Mundart allgemein angewandt für Soldat. Bezeichnend für diese Auffassung ist folgende Geschichte: Eine Eurener Familie sollte französische Soldaten zur Einquartierung erhalten. Auf die Weigerung der Hausfrau "Ma welle käan Preisen" antwortete der französische Quartiermacher schlagfertig: "Ja, meine liebe Frau, Sie bekommen auch keine Preußen, Sie bekommen Franzosen ins Quartier".

Prisum s.: Gefängnis; französisch: prison

propa: sauber; französisch: propre

Puat s.: Tor, Scheunentor; französisch: porte

Pudel w.: Pfütze, Jauche

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Q

Quäaschareck s.: Eichhörnchen

Quätschen w.: Zwetschgen

Quätscheback w.: geschwollene oder mit Narben bzw. Geschwüren bedeckte Wange.

quellen: mit der Schale kochen, besonders bei Kartoffeln – gequellt Krompren, Pellkartoffeln – De micht e Gesieht wie en Deppchi gequellta Deiwelcha. Er macht ein böses Gesicht.

Quiesel w.: spöttische Bezeichnung für eine ältere Frauensperson

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R

Räaf m.: Reifen

Räatz w.: Laubhotte, Rückentragkorb mit weitmaschigem Weidengeflecht

rähnen: regnen – Wenn et Botta rähnt, dann haot da käan Deppen. Wenn es Butter regnet, dann habt ihr keine Töpfe. Wenn das Glück da ist, wißt ihr es nicht beim Schopfe zu fassen. – U wenn et Haigoweln rähnt! Und wenn es Heugabeln regnet! Eine Arbeit wird trotz aller widrigen Umstände durchgeführt. – Wenn et rähnt mat Ennawand, da rähnt et gär mat Unvastand. Wenn es regnet mit Unterwind (Ost- oder Nordwind), dann regnet's in der Regel lange und anhaltend. – Wenn et net rähnt, dann trepft et alt. Wenn es auch nicht regnet, dann tropft es doch. Kleine, aber ständige Einkünfte.

rampelisch: runzelig, faltig

Rampelscheiachi: kleiner Staubwirbel kurz vor Regen oder Gewitter

Raat, Raate w./Mz.: Ratte, Ratten – En aß raategäackisch. Er ist ganz verrückt.

Raateschwänzja s.: Rattenschwänzchen; lange dünne Zigarrillos

ratschtisch: gänzlich, von Grund auf

reech: leicht angetrocknet, namentlich die Schnittfläche des Brotes

reecht: soeben

Reckstrank s.: Rückgrat

Reff m.: Hautausschlag, Geschwür, Wundkruste

Reef w.: Rebe

Reil m.: Riegel, Türriegel

rieht: gerade, aufrecht, senkrecht; mittelhochdeutsch: rieht

Rommel w.: Runkelrübe

Rondel m.: Ofenring

Rotzjong m.: unreifer, frecher Junge

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S

Saack m.: Sack – Ma bend alt e Saack zu, eh' e voll aß. Man bindet einen Sack zu, ehe er voll ist. – Et aß de Saack des Bendels net wert. Eine Sache ist ganz bedeutungslos. – Et sticht naoch a weide Säacken. Es steckt noch in weiten Säcken, d. h. eine Sache liegt noch in weiter Zukunft.

Saackdooch s.: Taschentuch

Säal s.: Seil – En haot sa aal am Säal. Er führt die anderen Menschen, wie man das Vieh an der Leine führt. Er ist führend, tonangebend.

Salläppchi s.: Kinderserviette. Das Wort ist zusammengesetzt aus Sall = Mundspeichel (davon gebildet das Zeitwort sallen) und Läppchen, Verkleinerungsform von Lappen.

Schäfi s.: Schäfchen – En aß net Schäfi, wie e Woll träaht. Er ist nicht so harmlos, wie er aussieht. – En haot sei Schäfi am Treckenen. Er hat sein Schäfchen im Trockenen. Er hat gute Geschäfte gemacht.

Schank m.: Schrank; mittelhochdeutsch: Schank

Schänzi s.: Reisigbündel

Scharep w.: Droschke, meist im spöttischen Sinne gebraucht

schärpsen: gären – schärpsisch, gärend

Schaßmel w.: wilde Melde, lästiges, schnellwucherndes Unkraut

Schäslong m.: Liegestuhl; französisch: chaise longue

Scheiapuat s.: Scheunentor – Dou brouchs net mat da Scheiapuat ze winken. Du brauchst nicht mit dem Scheunentor zu winken. Du brauchst nicht anzüglich zu werden; man weiß doch was du willst.

Scheißfaaß m.: Jauchefaß

Schepp w.: Schaufel – De krieht awa net mieh wie drei Scheppen Grond. Er ist nicht mehr als die anderen auch. Er wird begraben wie jeder andere.

Schier w.: Schere

schilksen: schielen

Schlääck w.: Schnecke – E gääht so langsam wie an Schlääck iewa de Braoch. Er geht so langsam wie eine Schnecke über ein Brachfeld.

schlamp: schräg, schief

Schlangebleda: wörtlich Schlangenblätter, gemeint ist Farnkraut

Schlaoba m.: Meißel

Schlaop w.: Schleife, Haarband, leicht löslicher Knoten

Schlapp, Schlappen m./Mz.: Pantoffel, Pantoffeln

Schlauda w.: Schimpfname für eine unordentliche, nachlässige Frau – Dou aal Schlauda.

schlieh: feucht

Schluch m.: Sinn – Eppes am Schluch hun. Etwas im Sinne haben, etwas vorhaben. Alter Eurener Ausdruck.

schludijeweiß: schneeweiß, schlohweiß

Schmäck: dünnes Seil am Ende der Peitsche

Schmisett s.: Vorhemd; französisch: chemisette

schnasen: naschen

Schnauf m.: Schnupftabak

Schnaop m.:Schnupfen – Schnaopdoch, Taschentuch

schnäackisch: naschsüchtig – Schnäackat, Feinschmecker

Schneß w.: Schnauze, Maul

Schniebesbox w.: Knabenhose mit Leibchen

Schnoda w.: geschwätziges, redseliges Mädchen

Schooschte m.: Schornstein – Eppes an de Schooschte schreiwen. Etwas in den Schornstein schreiben. Es ist zwecklos Schulden aufzuschreiben, die aller Voraussicht nach doch nicht beglichen werden.

Schowen w.: Kleidermotten

schrao: schlimm, böse

Schraom, Schrem w./Mz.: Schramme

Schrauf w.: Wagenbremse – En aal Schrauf. Spöttische Bezeichnung für eine alte Frau.

schuddern: schaudern, frösteln

schummen: schämen

schwatzen: schwitzen – schwatzen wie e Pärd, schwitzen wie ein Pferd, stark schwitzen.

Schwelles m.: Kopf, Schädel

Sei s.: Sieb

semsen: laufen, rennen

sippen: sieben – Waassa sippen, scherzhafte Bezeichnung für fruchtloses Fischen mit Fischgarn.

Solpa s.: Pökel – En aß am Solpa. Er ist betrunken. Er ist im Rausch.

Späack m.: SpeckSpääck u Schwoat von äana Oat. Speck und Schwart von einer Art. Im Grunde genommen sind sich zwei Dinge ziemlich ähnlich.

spannen: spinnen – Spannrad, Spinnrad – Et sein Spannwäat am Kruhnen. Es sind Spinngewebe im Krahnen. Man will damit sagen, daß das Faß leer ist, oder noch kein Krahnen im Faß steckt.

spatz: spitz

Spaatz m.: Spatz, Sperling – Frech wie en Spaatz.

Speis m.: Mörtel oder Viehfutter

Spidaolsdaoglöhna m.: Spitalstagelöhner; Bauer, der seine zu bewirtschaftende Ackerfläche vom Trierer Hospital gepachtet hat.

spoutzen: spucken

Spoutzmännchi s.: ein zur Entzündung gebrachtes Häufchen Pulver

sprenzen: gießen – Sprenz, leichter Regen, Wasserguß

Stäan m.: Stein – Zween harta Stäan mohlen sälen räan. Zwei harte Steine mahlen selten rein. Harte Köpfe kommen selten aneinander vorbei. – En haot bei äam e Stäan am Bred. Er hat bei einem einen Stein im Brett, d. h. er ist gut angeschrieben. – Eich läje da och maol e Stäan an de Wäg. Ich lege dir auch mal einen Stein in den Weg. – De hei reft de Stäan, de lao schmeißt sa. Der eine betreibt eine Sache im Stillen, der andere führt sie praktisch aus.

stampa: kräftig, stark

staots: stattlich gebaut, fein herausgeputzt

steipen, stützen – Steip, Stütze – De Sonn säatzt Steipen. Die mitunter recht deutlich in die Erscheinung tretenden Strahlenbündel der Sonne werden mit Stützen verglichen.

Stempel m.: Stuhl- oder Tischbein

steppeln: aufwiegeln, aufreizen

Straoß w.: Straße

straks: gleich, auf der Stelle – purestraks

Striehpäata m.: geiziger Taufpate, der kein Zuckerzeug nach der Kindtaufe verteilt.

Strank m.: Angst, Furcht, Respekt

stroweln: zappeln

Stromp, Stremp m./Mz.: Strumpf, Strümpfe

Stuff w.: Stube – De gut Stuff, besser eingerichtetes Zimmer

Sturax m.: Koller, ungeschickter, roher Mensch

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T

Taken s.: Ruheplätzchen hinter dem Ofen in einer Wandnische

Taopat m.: Tölpel – taopisch, dumm, tölpelhaft

taopen: tasten

Teima: Bezeichnung für Teller – en Teima Krompren

Traap w.: Treppe

Traam m.: Traum – träamen, träumen

Treip m.: Darm – Getreips, Gedärme; französisch: tripaille – En haot de Treip voll; er ist satt.

Treps m.: Tropfen – Et aß bessa, wenn en Staadt aobbrennt, als en Treps Viez beschott. Es ist kein so großes Unglück, wenn eine Stadt abbrennt, als wenn ein Tropfen Viez verschüttet wird.

Troata w.: Trompete; geschwätziger Mensch

Trolijen w.: Fenstergitter aus Eisenstäben zum Schutz gegen Einbruch; französisch: treillage

totteln: stottern

Trendla m.: langsamer, schwerfälliger Mensch – trendeln, langsam gehen oder arbeiten

Trutschelchi w.: kleine, gutmütige Frauensperson

tupisch: leicht angewärmt

tuschur: immer; französisch: toujours

Tutlabutik w.: wörtlich: den ganzen Laden, alles; französisch: toute la boutique. Vielfach noch pleonastisch verstärkt durch "ganz": De ganzen Tutlabutik.

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U

Uhr, Uhren s./Mz.: Ohr, Ohren – Zu äam Uhr ran, zum anneren rous. Vergebliche Mahnung. – Aam en Uhr aobschwäatzen. Eindringlich auf jemanden einreden. – Den haot et faustendick hanna den Uhren. Der hat's faustdick hinter den Ohren. – De Uhre krieh Besuch. Die Ohren bekommen Besuch, sagt man, wenn jemand mit breitem Munde lacht. – Haal de Uhre steif! Halte Wacker aus! – Riebsaom an de Uhre seen. Rübsamen in die Ohren säen. Drohung für Kinder, die unsaubere Ohren haben. – Schreif et hanna de Uhren! Merk dir's gut!

Uhrkaap w.: Ohrfeige

Uhreschleffa m.: Ohrwurm

Unloft w.: Anwand oder Angewände; Querpflügen an beiden Enden des Ackers; die Stelle wo gewendet wird zum Querpflügen.

uranzen: anschnauzen

Uvrasch w.: umständliche, zeitraubende Arbeit; französisch: ouvrage

uzen: necken, ärgern, verhöhnen

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V

vaboobelt: verwirrt

vapaaßt: verdreht, eigensinnig, störrisch

Basenk s.: Bassin, meist Jauchebassin; französisch bassin

Vata-Unsa-Läächelchi s.: Vaterunserlöchelchen, gemeint ist die Luftröhre

Velozepee s.: Fahrrad; französisch: vélocipède

Vorwitzja s.: Schneeglöckchen

Vurel, Viejel m./Mz.: Vogel, Vögel – E leeft wie e Vurel am Hanfsaom. Er lebt wie ein Vogel im Hanfsamen, d. h. er lebt sorglos und üppig. – Bis daohin peift naoch manch Viejelchi, dat haut naoch net ob da Welt aß. Etwas liegt noch in weiter Zukunft. – De ka stell sein, wenn all Viejelcha peifen. Er kann still sein; er hat selbst genug Dreck am Stecken.

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W

Wäackebraoch m.: gebrochener Weck, Suppe aus Weißbrötchen und Milch.

Waassa s.: Wasser – Waassa ob de Mill. Wasser auf die Mühle – Waassa sippen. Das Fischgarn vergebens ziehen.

waakrisch: wach – waakrisch maachen, wecken

wannen: gewinnen

Wek m.: Docht

wei: jetzt

wensch: windschief

wieweln: sich rühren, sich bewegen

Wiß w.: Wiese, aus dem mittelhochdeutschen: wis

Witt m.: Weidenzweig

worksen: würgen – Worksbieren, Birnensorte die nach dem Genuß das Gefühl des Würgens und Erstickens hervorruft

wormbatzig: wurmstichig

Wooscht w.: Wurst – Dat Schwademaoren de dickst Wooscht aß, wäaß jeden Taopat. Daß Schwartemagen die dickste Wurst ist, weiß auch der Dümmste.

Woosem: Rasen

wuhnen: wohnen

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X
Hei get et naoch neist. Hier gibt es noch nichts.  
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Y
Hei get et naoch neist. Hier gibt es noch nichts.  
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Z

Zalaoterähn m.: Salatregen, leichter Regen

Zalettchi: kleine Schüssel

Zant, Zänn m./Mz.: Zahn, Zähne – Ous da Hand an de Zant. Aus der Hand in den Mund. – Dem duhn de Zänn net mieh wieh. Der bekommt kein Zahnweh mehr, weil er gestorben ist.

Zef m.: Zeh

zejaohns: der Reihe nach, wie es eben kommt, nicht wählerisch. – zejaohns ääßen, alles essen, wie es auf den Tisch kommt.

zesummentermeinen: zusammensuchen, zusammenlegen

zieh: zäh – Zieh wie Eselsfläasch. Zäh wie Eselsfleisch.

Zockastäan: Zuckersteine, Bonbons

Zopp w.: Suppe

Zuutz w.: Auslauf eines Gefäßes oder eines Behälters

Zwiewel w.: Zwiebel; auch scherzweise Bezeichnung für eine Taschenuhr.


 

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