Von Thomas P. Reuter.

Wie viele andere Städte und Gemeinden hat auch Euren weit über die Grenzen seiner Region bekannte Einwohner zu bieten. Hier seien u. a. der Dichter Ludwig Steinbach und der Chronist Hans Bohr zu nennen.

Es gibt aber auch Persönlichkeiten, die nicht so sehr im Lande bekannt sind, Menschen die sich dennoch um unser Heimatdorf in verschiedenster Art und Weise verdient gemacht haben, wie z. B. Martin Grundheber und Pastor Nikolaus Theis.

All diesen bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten soll hier mit einem Lebenslauf gedacht werden.

Beginnen wir mit einer kurzen Vorstellung zweier, für die Geschichte Eurens äußerst wichtigen Persönlichkeiten:

Die hl. Helena

Foto: Statue der hl. HelenaHelena wurde um 257 n. Chr. in Drepanum (327n. Chr. ihr zu Ehren in Helenopolis umbenannt) in Bithynien (Nordwest-Kleinasien) geboren. Der Überlieferung nach war sie die Tochter eines Gastwirtes, die Constantius Chlorus (250 - 306) zu seiner Konkubine nahm. Im Jahre 285 n. Chr. wurde ihr gemeinsamer Sohn Constantin geboren. Constantin Chlorus wurde 293 n. Chr. Caesar und Mitregent im Westen ehe er 305 Augustus wurde. Aus politischen Gründen verstieß Constantius Chlorus 289 n. Chr. Helena um die Stieftochter des Kaisers Maximian Herkulius zu heiraten. Daraufhin stieg er 293 n. Chr. zum Caesar und Mitregent im Westen auf und wurde schließlich 305 n. Chr. Augustus.

Mit dem politischen Aufstieg ihres Sohnes Constantin, der im Jahre 306 n. Chr. von römischen Truppen zum Kaiser ausgerufen wurde, stieg auch Helena in der Hierarchie des Hofes auf. Sie erhielt den Titel Augusta. Constantin ließ zu Ehren seiner Mutter Münzen prägen.

Unter dem Einfluß ihres Sohnes wurde sie im Alter von 64 Jahren Christin. Helena wurde eine eifrige Bekennerin ihres Glaubens und zeichnete sich durch Frömmigkeit und karitatives Wirken aus und ließ viele Kirchen bauen. Gemeinsam mit ihr baute Constantin in Rom die Kirche zum Heiligen Kreuz und in Constantinopel die Apostelkirche.

Nachdem Gott ihr im Traume befohlen hatte nach Palästina zu reisen um die Heiligen Stätten zu finden und würdig auszugestalten, wallfahrtete Helena 324 n. Chr. als eine der ersten Frauen ins Heilige Land. Die Suche nach dem Heiligen Grab gestaltete sich jedoch schwierig und erst als ein Judenchrist in den Gedenkbüchern Hinweise seiner Vorväter auf den Ort des Grabes (unter einem Aphrodite -Tempel) feststellte, wurde man fündig. Kaiser Hadrian hatte nach dem jüdischen Bar-Kochba-Aufstand 135 n. Chr. über dem heiligen Grabe einen Aphrodite-Tempel errichten lassen.

Helena ließ den Tempel abtragen und das Grab freilegen. Unter den Steinen und der Erde mit denen das Grab zugeschüttet war fand man schließlich das unversehrte Heilige Grab.

Die Mitarbeiter Helenas fanden bei ihrer Suche nach dem Wahren Kreuz schließlich in einem Wallgraben drei gut erhaltene Kreuze die über 300 Jahre alt gewesen sein sollen. Um das richtige der drei Kreuze zu finden wurde eine kranke Frau auf einer Trage herbei getragen die mit letzter Kraft nach den Kreuzen tastete - beim wahren Kreuz richtete sie sich auf und war geheilt.
Einen Teil des Kreuzholzes sandte Helena mit den Kreuznägeln ihrem Sohn nach Constantinopel, der größere Teil blieb in Jerusalem. Einen der Nägel ließ Helena zu einem Reif umbilden und in den Helm Constantins einfügen um diesen so vor Gefahren zu schützen.

Kaiser Constantin ließ über der Fundstelle eine große Kirchenanlage errichten, eine Doppelkirche die das Grab Christi sowie den Hügel Golgatha einschloß. Die Grabeskirche war mit Säulen, Marmor, Gold und einer getäfelten Decke geschmückt. Die Rotunde wurde genau über der Felsenhöhle des hl. Grabes errichtet.

Desweiteren fand Helena bei ihrer Wallfahrt auch die Heilige Lanze und den Heiligen Rock. Diesen nahtlosen Leibrock Jesu sandte sie nach Augusta Treverorum (Trier), ihrer einstigen Residenz.

Nach ihrer Rückkehr aus Palästina ließ Helena in den Hauptsaal ihres Palastes in Rom die Kirche Santa Croce in Gerusalemme bauen um dort die Kreuzreliquien aufzunehmen: ein Teil des Wahren Kreuzes, ein Kreuzesnagel, zwei Dornen aus der Krone sowie die Inschriftentafel, die Pilatus am Kreuz anbringen ließ.

Helena starb wohl um 336 n. Chr. in Rom. In einem kunstvollen Porphyrsarg wurde sie im kaiserlichen Mausoleum bei den Kirchen der Märtyrer Petrus und Marcellinus bestattet. Heute befindet sich der Sarg im Vatikan.

Helena wurde heiliggesprochen und gilt u.a. als Patronin der Nagelschmiede. Abgebildet wird die hl. Helena im kaiserlichen Ornat und mit dem Kreuz in der Hand. Den Tag der Heiligen Helena feiert die Westkirche am 18. August, die Ostkirche am 21. Mai.

 

Der hl. Numerian

Foto: Statue des hl. NumerianOb der später heilig gesprochene Bischof Numerian der Erbauer der Eurener Kirche oder ihr Wohltäter war ist bis heute nicht bekannt. Leider wissen wir über das Leben des hl. Numerian generell noch sehr wenig:

In Trier als Sohn des Senators Aptardus geboren, besuchte Numerian kurz nach 630 mit seinem Bruder Germanus Arnulf von Metz ehe er von dort nach Luxeuil und Remiremont geht. Nach einer Ausbildungszeit in diesen Klöstern dürfte er nach Trier zurückgekehrt und Mönch in St. Maximin geworden.

645 besteigt Numerian als Nachfolger Modoalds den Bischofsstuhl im Trierer Dom.

650 ist er, einer Urkunde Childerichs II. zufolge, Mitbegründer der Klöster Stablo und Malmedy.

Numerian starb am 05. Juli 666 und fand in der Eurener Kirche seine letzte Ruhestätte. Dies bezeugt eine, inzwischen in Verlust geratene, Steinschrift in der von Erzbischof Udo am 27. August 1075 geweihten Eurener Kirche:

der lateinische Text lautet:

"Hoc recollecta in loculo sunt pignora Sacra. Praesulis almifici Trevirorum Numeriani, Qui superos adiit, dum ternas Julius ambit Nonas, perpetuo Cum sanctis jungitur aevo."

zu deutsch:

"Hier in diesem Sarg sind (wieder) zusammengetragen die heiligen Unterpfänder des segenspendenden Numerian, des Bischofs der Trierer, der verstorben ist am 5. Juli, auf ewige Zeiten mit den Heiligen vereint."

Mögen die Geschichtsquellen noch so dürftig sein, sollten wir das Andenken Numerians, den unsere Vorfahren den "großen Wohltäter unserer Kirche" nannten, stets in Ehren halten.

Quellen:
Remi Couzard, Sainte Hélène d'après l'histoire et la tradition, Paris 1911.
Johannes Straubinger, Die Kreuzauffindungslegende. Unters. über ihre altchristl. Fassungen mit bes. Berücks. der syr. Texte, 1912.
Joseph Vogt, Constantin der Große und sein Jahrhundert, 2. neubearb. Aufl., München 1960.
Bernhard Kötting, Peregrinatio religiosa. Wallfahrten in der Antike u. das Pilgerwesen in der alten Kirche, 1950
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Festschrift zur 900-Jahrfeier der Pfarrei St. Helena 1975. Trier 1975.

 

 

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