Von Thomas P. Reuter.

Euren hatte bis in die dreißiger Jahre einen eigenen Verein für ortsgeschichtliche Forschungen, dessen langjähriger 1. Vorsitzender Hans Bohr war. Ihm ist es zu verdanken, daß der Verein zu großem Ansehen gelangte.

Hans Bohr arbeitete mit großem Eifer und ebenso großem Fleiß auf dem Gebiet der Heimatforschung. Ganz wesentlich war er an der Herausgabe der Eurener Chronik beteiligt. Eine stattliche Anzahl von Aufsätzen und Abhandlungen, die er für die Chronik schrieb, zeugen vom großen Erfolg seiner Arbeit. Seine enge Verbundenheit mit der Heimat und die große Heimatliebe überhaupt, gaben ihm die Kraft zu einer unermüdlichen Forschungsarbeit. Mit sein größtes Interesse galt der Erforschung der Eurener Kirchen- und Schulgeschichte. Mit viel Fleiß ist es ihm gelungen, bis weit in die Vergangenheit vorzudringen.
Auch war Hans Bohr lange Jahre Mitglied des Kirchenvorstandes von St. Helena in Euren. Dem damaligen Pfarrer Nikolaus Theis stand er in dieser Eigenschaft stets mit Rat und Tat zur Seite.

Sein früher Tod im Alter von nur 53 Jahren bedeutete für Euren den Verlust eines heimatliebenden Mannes, der der Ortsgeschichte sicher noch viele wertvolle Beiträge geleistet hätte.


1890
27. Dezember

Hans Bohr anno 1912
Foto: Hans Bohr anno 1912

 

Hans Bohr anno 1930
Foto: Hans Bohr anno 1930

 

Grabstein
Foto: Der vom Eurener Bildhauer Hamm geschaffene Grabstein

 

Letzte Ruhestätte
Foto: Letzte Ruhestätte neben seinem Freund Ludwig Steinbach

Nachts um ein Uhr kommt Johannes "Hans" Bohr als drittes von insgesamt dreizehn Kindern der Eheleute Nikolaus Bohr (29.06.1861-13.03.1913) und Luzia Maria Herrmann (12.02.1863-02.02.1919) im Hause Greilerstraße 12 in Euren zur Welt.
 

 
1896
Einschulung in die Volksschule seines Heimatortes Euren, welche er nach acht Jahren mit dem besten Schulabschluss verlässt.
 

 
1904
Nach seiner Schulentlassung bleibt Hans Bohr einige Jahre als helfende Kraft in der elterlichen Landwirtschaft tätig.
 

 
1910
Gründung des Vereins für Ortsgeschichtliche Forschungen Euren, dessen 1. Vorsitzender er später lange Jahre werden sollte.
 

 
1911
Beginn einer Lehre als kaufmännischer Angestellter beim Trierer Bauernverein.
 

 
1913
13. März
Sein Vater, der am 29. Juni 1861 in Euren geborene Landwirt Nikolaus Bohr stirbt im Alter von 51 Jahren.
 

 
1914
03. April
Hans Bohr beginnt seine Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter beim RWE Trier.
 

 
1915
Februar
Anfang Februar erhält Hans Bohr seinen Gestellungsbefehl zum 2. R.I.R. Nr. 69 nach Köln. Auf den Schlachtfeldern Flanderns und an der Somme durchlebt er als Frontsoldat die bittere Sprache des 1. Weltkrieges mit anschließender englischer Gefangenschaft.
 

 
1919
02. Februar
Zehn Tage vor ihrem 56. Geburtstag stirbt seine Mutter Luzia Maria Herrmann in Euren.
 

 
1921
Hans Bohr heiratet die am 26. März 1889 geborene Emma Hofmann, die ihn bei seinem segensreichen Schaffen stets unterstützt. Emma Bohr selbst schreibt 1926 in der Eurener Chronik eine vielbeachtete Arbeit über die heilige Helena, unsere Pfarrpatronin.
 

 
1924
22. November
Auf der Generalversammlung des Vereins für ortsgeschichtliche Forschungen Euren stellt er als 1. Vorsitzender den Mitgliedern ein reichhaltiges Programm vor - u. a. regt er an, einen Stammbaum aller Eurener Familien aufzubauen. Ein Teil dieser Arbeiten konnte in der Eurener Chronik veröffentlicht werden, doch Hans Bohr's allzu frühes Ableben ließ dieses Werk von bleibendem ortsgeschichtlichem Wert leider unvollendet.
 

 
1925
Oktober
Unter dem Namen Beiträge zur Chronik der Pfarr- und Civilgemeinde Euren erscheint das erste Heft der Eurener Chronik, an deren Herausgabe Hans Bohr ganz wesentlich beteiligt ist. Mit Ludwig Steinbach, Johann Baptist Georg und anderen veröffentlicht er hier in einer recht stattlichen Anzahl von Aufsätzen und Abhandlungen die Ergebnisse seiner langjährigen Arbeiten.
 

 
1926
11. Januar
Elfriede Bohr, das einzige Kind der Familie Hans und Emma Bohr erblickt das Licht der Welt.
 

 
1928
19. April
Infolge seines vielbeachteten heimatkundlichen Engagements wird er in den Vorstand des Verein Trierisch gewählt, in welchem er ebenfalls tatkräftig wirkte.
 

 
1929
Oktober
Mit dem Beginn des 5. Jahrgangs erscheint die Zeitschrift des Vereins für ortsgeschichtliche Forschungen Euren im Übrigen unverändert unter dem Titel Eurener Chronik.
 

 
1935

Seine familienkundlichen Arbeiten zu Eurener Familien verschaffen ihm den Ruf eines Experten auf diesem Gebiet, wodurch das NS-Amt für Sippenforschung in Berlin auf ihn aufmerksam wird und ihm einen hohen Posten anbietet. Diese Auszeichnung lehnt er jedoch ab! Daraufhin wird er von Trierer NS-Stellen unter Druck gesetzt, weshalb der Ende 1935 den Vorsitz des Vereins für ortsgeschichtliche Forschungen niederlegt.
 

Im Herbst erscheint im 10. Jahrgang mit der Doppelnummer 7 u. 8 das letzte Heft der Eurener Chronik.
 

 
1936
Im Selbstverlag erscheint sein Buch Die Eurener Familie Herrmann, in welchem er die Ergebnisse seiner Nachforschungen zur Familie Herrmann, der Seite seiner Mutter Luzia Maria Herrmann, veröffentlicht.
 

 
1938
04. April
Als beliebter und geschätzter Abteilungsleiter des Material-Hauptlagers der RWE-Betriebsverwaltung Trier feiert Hans Bohr mit vielen Ehrungen sein fünfundzwanzigstes Dienstjubiläum.
 

 
1944
20. Oktober
Im Alter von 53 Jahren stirbt Hans Bohr in seinem Haus in der Eligiusstrasse 10 in Euren an einem Herzinfarkt.
23. Oktober

Beisetzung in einer der langen Gräberreihen auf dem Eurener Friedhof.
Ein Relief auf dem Grabstein, geschaffen von dem Eurener Bildhauer Hamm, gibt Kunde vom Wirken und Wollen des bedeutsamen Eurener Heimatforschers.

 

 
1974
21. März
In Würdigung seiner großen Verdienste um seine Heimat Euren wurde er in die vom Kolpinghaus Trier-Euren e.V. angelegte Ehrengrabstätte auf dem Eurener Friedhof umgebettet.
Dort ruht er an der Seite seines Freundes Ludwig Steinbach.

Quellen:
Stadtarchiv Trier, Geburtsregister des Standesamtes 1890. Trier Vororte Nr. 322.
Hans Bohr, Die Eurener Familie Herrmann. Trier-Euren 1936.
Hans Bohr verstorben. In: Trierer Nationalblatt Nr. 254 vom 28./29. Oktober 1944.
Dem Eurener Chronisten Hans Bohr zum Gedächtnis. In: Trierische Landeszeitung vom 19. Oktober 1954.
H. Zengerling, Hans Bohr als Heimatforscher. In: Festschrift zur 900-Jahrfeier der Pfarrei St. Helena 1975. Trier 1975. S. 75-77.
Gisela Brach, Hans Bohr (1890-1944)Heimatforscher des Stadtteils Trier-Euren - Teil 1. In: Neues Trierisches Jahrbuch, 1984.
Gisela Brach, Hans Bohr (1890-1944)Heimatforscher des Stadtteils Trier-Euren - Teil 2. In: Neues Trierisches Jahrbuch, 1985.
Adolf Welter, Eurener Heimatdichter. Trier 1999. S. 12-14.


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