Von Thomas P. Reuter
 

"Euren ist ein merkwürdiges, eine halbe Stunde von Trier, am linken Ufer der Mosel stromaufwärts gelegenes Dorf. Da lebt, wandelt, wohnt man über und zwischen Trümmern antiker Pracht. Die Einwohner trinken sämtlich aus einem Brunnen, dessen Quellwasser große, bleiernde Röhren ehemals einer römischen Villa zuführten, auf welcher Helena, die Mutter Constantins des Großen, eine Zeitlang gewohnt haben soll. Unter der Sohle der alten Kirche liegen zerstörte Mosaiken und um sie herum ruhen die hölzernen Särge der verstorbenen Dorfbewohner auf solchen. Diese Mosaiken setzen sich auf allen Seiten unter die Höfe der anliegenden Häuser fort, bis sie durch die Keller vernichtet wurden. Bei dem Auswerfen neuer Gräber kommen jedesmal Bruchstücke der Täfelung antiker Gemälde zum Vorschein; in den Ecken des Friedhofes sieht man Haufen römischer Ziegel und Estrichs und die zu ihm führende nördliche Straße geht über zu Tage liegende römische Kalksteinmauern hin, auf der südlichen wandelt man über das wohlerhaltene Mosaik einer großen Porticus in das Dorf hinunter."

J. N. von Wilmowsky, Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier 1872/73.

Foto: Euren um das Jahr 1930Die Geschichte und das Schicksal unseres Heimatortes Euren ist eng verknüpft mit der Geschichte der Stadt Trier, vor deren Toren es liegt. Öfter als die Stadt selbst wurde unser Dorf von deren Feinden heimgesucht und verwüstet.

Wann die erste Besiedlung Eurens erfolgte kann heute nicht genau bestimmt werden. Vor der Jahrhundertwende durchgeführte Grabungen lassen jedoch den Schluß zu das dies bereits in vorrömischer Zeit geschah.

Die römische Villa zu Euren

Die Gründung Triers im Jahre 16 v. Chr. als Augusta Treverorum hatte für Euren zur Folge, daß sich reiche Römer - geschützt durch die nahe Stadt - hier niederliessen, worüber zahlreiche Mosaikbodenfunde sowie einige Münzfunde Aufschluß geben.

So befand sich am Standort unserer heutigen Pfarrkirche St. Helena eine ausgedehnte römische Villenanlage über die uns aber leider keine geschichtlichen Aufzeichnungen vorliegen. Der Trierer Domkapitular J. N. von Wilmowsky hat diese im Jahre 1859 erforscht und dabei drei bauliche Perioden entdeckt. Die Gründung der Villa dürfte in der besten Zeit der römischen Herrschaft erfolgt sein. Zu Zeiten Valentinians I. und seines Sohnes in Trier (364 - 392) ist sie erweitert und ausgeschmückt worden. Während der Belagerung Triers durch die verbündeten Stämme der Alanen, Sueven und Vandalen wurde die Villa um 406 n. Chr. zerstört und eingeäschert. Zwar wurde die Villenanlage danach erneut wieder aufgebaut, fiel aber um 470 n. Chr. dem Eroberungsfeldzug der Franken zum Opfer. Ob es sich - wie wir in Euren glauben - bei dieser römischen Villenanlage tatsächlich um die der hl. Helena, der Mutter Kaiser Constantins, handelt, läßt sich historisch nicht nachweisen. Da nach dem Übertritt Constantin des Großen zum Christentum im 4. Jahrhundert ein Großteil der römischen Oberschicht sich zum Christentum bekannte und in vielen der großen Villenanlagen Kirchen einrichteten ist dies jedoch auch in Euren zu vermuten.

Die hl. Helena

Da die hl. Helena im Bewußtsein der Eurener Bevölkerung sehr lebendig ist und man unserer Kirchenpatronin hier auf Schritt und Tritt begegnet ist es wohl angebracht an dieser Stelle kurz auf den Lebenslauf dieser faszinierenden Persönlichkeit einzugehen.

Helena wurde um 257 n. Chr. in Drepanum (327n. Chr. ihr zu Ehren in Helenopolis umbenannt) in Bithynien (Nordwest-Kleinasien) geboren. Der Überlieferung nach war sie die Tochter eines Gastwirtes, die Constantius Chlorus (250 - 306) zu seiner Konkubine nahm. Im Jahre 285 n. Chr. wurde ihr gemeinsamer Sohn Constantin geboren. Constantin Chlorus wurde 293 n. Chr. Caesar und Mitregent im Westen ehe er 305 Augustus wurde. Aus politischen Gründen verstieß Constantius Chlorus 289 n. Chr. Helena um die Stieftochter des Kaisers Maximian Herkulius zu heiraten. Daraufhin stieg er 293 n. Chr. zum Caesar und Mitregent im Westen auf und wurde schließlich 305 n. Chr. Augustus.

Mit dem politischen Aufstieg ihres Sohnes Constantin, der im Jahre 306 n. Chr. von römischen Truppen zum Kaiser ausgerufen wurde, stieg auch Helena in der Hierarchie des Hofes auf. Sie erhielt den Titel Augusta. Constantin ließ zu Ehren seiner Mutter Münzen prägen.

Unter dem Einfluß ihres Sohnes wurde sie im Alter von 64 Jahren Christin. Helena wurde eine eifrige Bekennerin ihres Glaubens und zeichnete sich durch Frömmigkeit und karitatives Wirken aus und ließ viele Kirchen bauen. Gemeinsam mit ihr baute Constantin in Rom die Kirche zum Heiligen Kreuz und in Constantinopel die Apostelkirche.

Foto: Die Hl. Helena mit dem Kreuz und den drei NägelnNachdem Gott ihr im Traume befohlen hatte nach Palästina zu reisen um die Heiligen Stätten zu finden und würdig auszugestalten, wallfahrtete Helena 324 n. Chr. als eine der ersten Frauen ins Heilige Land. Die Suche nach dem Heiligen Grab gestaltete sich jedoch schwierig und erst als ein Judenchrist in den Gedenkbüchern Hinweise seiner Vorväter auf den Ort des Grabes (unter einem Aphrodite -Tempel) feststellte, wurde man fündig. Kaiser Hadrian hatte nach dem jüdischen Bar-Kochba-Aufstand 135 n. Chr. über dem heiligen Grabe einen Aphrodite-Tempel errichten lassen.

Helena ließ den Tempel abtragen und das Grab freilegen. Unter den Steinen und der Erde mit denen das Grab zugeschüttet war fand man schließlich das unversehrte Heilige Grab.

Die Mitarbeiter Helenas fanden bei ihrer Suche nach dem Wahren Kreuz schließlich in einem Wallgraben drei gut erhaltene Kreuze die über 300 Jahre alt gewesen sein sollen. Um das richtige der drei Kreuze zu finden wurde eine kranke Frau auf einer Trage herbei getragen die mit letzter Kraft nach den Kreuzen tastete - beim wahren Kreuz richtete sie sich auf und war geheilt.
Einen Teil des Kreuzholzes sandte Helena mit den Kreuznägeln ihrem Sohn nach Constantinopel, der größere Teil blieb in Jerusalem. Einen der Nägel ließ Helena zu einem Reif umbilden und in den Helm Constantins einfügen um diesen so vor Gefahren zu schützen.

Kaiser Constantin ließ über der Fundstelle eine große Kirchenanlage errichten, eine Doppelkirche die das Grab Christi sowie den Hügel Golgatha einschloß. Die Grabeskirche war mit Säulen, Marmor, Gold und einer getäfelten Decke geschmückt. Die Rotunde wurde genau über der Felsenhöhle des hl. Grabes errichtet.

Desweiteren fand Helena bei ihrer Wallfahrt auch die Heilige Lanze und den Heiligen Rock. Diesen nahtlosen Leibrock Jesu sandte sie nach Augusta Treverorum (Trier), ihrer einstigen Residenz.

Nach ihrer Rückkehr aus Palästina ließ Helena in den Hauptsaal ihres Palastes in Rom die Kirche Santa Croce in Gerusalemme bauen um dort die Kreuzreliquien aufzunehmen: ein Teil des Wahren Kreuzes, ein Kreuzesnagel, zwei Dornen aus der Krone sowie die Inschriftentafel, die Pilatus am Kreuz anbringen ließ.

Helena starb wohl um 336 n. Chr. in Rom. In einem kunstvollen Porphyrsarg wurde sie im kaiserlichen Mausoleum bei den Kirchen der Märtyrer Petrus und Marcellinus bestattet. Heute befindet sich der Sarg im Vatikan.

Helena wurde heiliggesprochen und gilt u.a. als Patronin der Nagelschmiede. Abgebildet wird die hl. Helena im kaiserlichen Ornat und mit dem Kreuz in der Hand. Den Tag der Heiligen Helena feiert die Westkirche am 18. August, die Ostkirche am 21. Mai.

In der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr. war Trier zu einem Mittelpunkt der Christenheit geworden. Doch um die Wende des 4. zum 5. Jahrhunderts ging die politische und wirtschaftliche Bedeutung Triers als römische Kaiserstadt zu Ende. 383 erließ Kaiser Valentinian II. sein letztes Dekret in Trier und 395 siedelte der kaiserliche Hof nach Mailand über. Anno 410 schließlich verließen die letzten römischen Truppen Trier.

Zwischen 411 und 428 wurde Trier fünfmal von den Franken überfallen, geplündert und in Brand gesteckt - was wohl auch auf Euren zutreffen dürfte.

Nach dem Ende der Römerherrschaft wurde Trier zunächst Sitz eines fränkischen Grafen ehe sich die Autorität der Trierer Bischöfe nicht nur in religiöser sondern auch in politischer Hinsicht durchsetzte. Zusätzlich waren seit Mitte des 6. Jahrhunderts die Stifte und Abteien als geistig führende Mächte neben die Bischöfe getreten.

Die Eurener Kirche

Eine Kirche bestand in Euren nachweislich bereits im 7. Jahrhundert, wie de Lorenzi in "Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diözese Trier" schreibt, da der Bischof Numerian, gestorben am 05. Juli 666, in ihr seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Dies bezeugt eine, inzwischen in Verlust geratene, Steinschrift in der von Erzbischof Udo am 27. August 1075 geweihten Eurener Kirche. Der lateinische Text lautet:

"Hoc recollecta in loculo sunt pignora Sacra. Praesulis almifici Trevirorum Numeriani, Qui superos adiit, dum ternas Julius ambit Nonas, perpetuo Cum sanctis jungitur aevo."

Zu deutsch:

"Hier in diesem Sarg sind (wieder) zusammengetragen die heiligen Unterpfänder des segenspendenden Numerian, des Bischofs der Trierer, der verstorben ist am 5. Juli, auf ewige Zeiten mit den Heiligen vereint."

Foto: Statue des Hl. NumerianOb der später heilig gesprochene Bischof Numerian der Erbauer dieser Kirche oder ihr Wohltäter war ist nicht bekannt. Überhaupt wissen wir über das Leben des hl. Numerian nur sehr wenig. In Trier als Sohn des Senators Aptardus geboren, besuchte er kurz nach 630 mit seinem Bruder Germanus Arnulf von Metz ehe er von dort nach Luxeuil und Remiremont geht. Nach einer Ausbildungszeit in diesen Klöstern dürfte Numerian nach Trier zurückgekehrt und Mönch in St. Maximin geworden sein ehe er 645 als Nachfolger Modoalds den Bischofsstuhl bestieg. 650 ist er einer Urkunde Childerichs II. zufolge Mitbegründer der Klöster Stablo und Malmedy. Mögen die Geschichtsquellen noch so dürftig sein, sollten wir das Andenken Numerians, den unsere Vorfahren den "großen Wohltäter unserer Kirche" nannten, stets in Ehren halten.

Es spricht aber für die Bedeutung der Eurener Kirche, daß man ihr das Grab eines Bischofs anvertraute.

Die folgende Zeit setzte die Christianisierung in den ländlichen Gebieten unserer Heimat durch Klostergründungen fort. So gründete etwa 30 Jahre nach Numerians Tod der hl. Willibrord, unterstützt von der Äbtissin Irmina in Trier, im Jahre 698 das Kloster Echternach, welches in den folgenden Jahrhunderten in erheblichem Umfang in Euren begütert war.

Bis zu ihrer Wiederherstellung um das Jahr 1075 ist uns über das Schicksal der Kirche in Euren nichts bekannt. Zu dieser Zeit ließ Erzbischof Udo von Nellenburg die zerfallene erste Kirche in Euren wieder aufbauen.

An die Einweihung der Kirche in Euren zu Ehren der hl. Helena am 27. August 1075 durch den Erzbischof selbst erinnerte folgende, in der Zwischenzeit ebenfalls verloren gegangene, Steininschrift:

"Anno Domincae incarnat. MLXXV indict. XIII. VI Kalend. Septembris dedicatum est hoc oratorium in honore sanctae Helenae AV. Trev. Archiepiscopo Vdone ordonationis suae Anno VIII ..."

Zu deutsch:

"Am 27. August des Jahres 1075 ist diese Stätte des Gebetes zu Ehren der hl. Helena Augusta geweiht worden durch den Trierer Erzbishof Udo im 8. Jahre seiner Einsetzung ..."

Von diesem Zeitpunkt an ist Euren als selbständige Pfarrei anzusehen.

Das Patronatsrecht über die Eurener Kirche besaß gegen Ende des 13. Jahrhunderts Ritter Arnold von Ruland der es 1299 dem nicht lange zuvor gegründeten Kloster St. Agneten zu Trier übertrug.

Die Schenkungsurkunde lautet wie folgt:

Im Namen Gottes Amen! Ich, Arnoldus Herr von Ruland und rechtmäßiger Patron der Pfarrkirche von Euren, gebe hiermit allen, die dieses Schreiben lesen, bekannt, daß ich in Gedanken an das ewige Heil und die Rettung der abgeschiedenen Seelen meiner Eltern und aller andern auch meiner eigenen Seele, daß ich für deren Seelenheil also durch ewige und unwiderrufliche Schenkung in reiner lauterer, uneigennütziger Absicht nur Gott zuliebe das mir gehörende Patronatsrecht der besagten Kirche in Euren den frommen Frauen der Priorin und dem Konvent von St. Agnes, das innerhalb der Mauern Triers liegt, schenke und übergebe und so verspreche ich allen Ernstes in meinem Namen und im Namen meiner Nachfolger und Erben, daß auf keine Weise gegen diese Schenkung angegangen wird, weder jetzt noch in Zukunft, so daß von besagtem Rechte Priorin und Konvent in gleicher Weise Gebrauch machen können für alle Zeit, wie denn auch diese Schenkung weder ich noch meine Nachfolger und Erben rückgängig machen können, daß zum Zeugnis habe ich, obengenannter Arnoldus mein eigenes Siegel angeheftet und auch die Trierische Kurie gebeten, ihr Siegel diesem Schreiben anzuheften und wir der Offizial der vorerwähnten Trierischen Kurie haben auf Bitten des Herrn Arnoldus das Siegel der Trierischen Kurie vorliegender Urkunde angeheftet, nachdem wir den Inhalt zur Kenntnis genommen.

Gegeben im Jahre des Herrn Eintausendzweihundertneunundneunzig am Freitag vor dem Sonntag Lätare.

Drei Tage später bestätigt Erzbischof Boemund I. (1289 - 1299) die Inkarporation der Pfarrei Euren und auch der Schulteis Bonifas von Trier genehmigt im gleichen Jahre die Schenkung des Patronatsrechtes.
Dem Agnetenkloster wurde zur Auflage gemacht, daß ein ständiger Vikar in der Pfarrei residieren und von dem Kloster unterhalten werden solle.

Zerstörung Eurens im Jahre 1300

Kurze Zeit nach dem Boemunds I. Tod im Jahre 1299 brach unter seinem Nachfolger Diether von Nassau großes Unheil über Euren herein, wie uns die Gesta Trevirorum, Band II, Kapitel CCXVI Seite 174 berichtet:

"Nach dem Heimgang des vorgenannten Herrn Boemund kam im nächsten darauffolgenden Sommer, nämlich im Jahre 1300, große Unbill über die Trierer. Denn am Tage vor dem Feste Maria Magdalena (Anm. Maria Magdalena ist am 22. Juli) fiel der Graf Heinrich von Luxemburg mit einer ausgezeichneten Heeresmacht und einer sehr großen Schar Bewaffneter in das Trierer Tal ein, verführt durch die Hoffnung, die Stadt Trier mit Gewalt oder List unterjochen zu können. Sein Feldlager schlug er nicht weit entfernt von der Stadt Trier auf, bei dem Dorfe, welches Euren genannt wird. Dabei wurden die Häuser und Höfe in Brand gesteckt und gänzlich vernichtet. Die auf dem Felde stehende Frucht wurde abgeweidet und zerstampft, die Obstbäume und Reben abgehauen."

Ursache dieses Unheils war die Errichtung einer Burg auf einer Insel bei Grevenmacher durch Graf Heinrich von Luxemburg, der dort Wegeposten aufstellte die alle Schiffe ausraubten. Da die Trierer dieses nicht duldeten zerstörten sie das Bauwerk wofür sich nun der Graf mit einer großen Heeresmacht rächen wollte. Nachdem es ihnen aber nicht gelang in die Stadt einzudringen, zog man sich einige Tage darauf zurück.

Am 2. April 1302 wurde mit Graf Heinrich Friede geschlossen und ihm wurde sogar das Bürgerrecht der Stadt Trier, wohl um die Bundesgenossenschaft zu festigen, verliehen.

In einer Urkunde vom 16. März 1308 gewährt Erzbischof Balduin Urium (Euren) und einigen anderen in unmittelbarer Nähe der Stadt Trier gelegenen Dörfern besondere Vorrechte, die sie mit den Bürgern der Stadt gleichsetzten.

In einer weiteren Urkunde vom 30. Juni 1308 beauftragt Erzbischof Balduin den Schultheis von Trier das Kloster St. Agneten in seinem Besitze und den Rechten der Eurener Pfarrkirche gegen einen Geistlichen Heinrich zu schützen. Der Streit zwischen der Patronatsherrin und dem Geistlichen dürfte sich vermutlich um die Verteilung der Einkünfte aus der Pfarrei gehandelt haben.
Für die Zeit um 1460 ist ein Pastor in Euren urkundlich namentlich erwähnt. In einem Nachruf des Klosters St. Agneten ist verzeichnet, daß ein Jahrgedächtnis für den ehrwürdigen Herrn Johannes von Doisburg, Pastor zu Euren, welcher "ein großer Beförderer und Helfer bei der Reform dieses Klosters war" gehalten wurde.

Das Eurener "Hundelgeding"

Eine besondere Bedeutung hat Euren in der Vergangenheit auch als Gerichts- und Vollstreckungsort für Leibes- und Lebensstrafen gehabt. So ist durch eine Urkunde überliefert, daß in Euren damals ein "Hundelding" stattgefunden hat. In diesem Hundelding (Gerichtstagung) wurde über den schweren Fall eines Diebstahls verhandelt. Die geschilderte Gerichtstagung dürfte zeitlich etwa 1200 und 1300 anzusetzen sein.

Foto: Älteste bildliche Darstellung von Euren aus dem Jahre 1589Den Vorsitz führte bei dieser Gerichtstagung der Schultheis als Vertreter des Landesherrn. Um ihn versammelt waren die Cender als Vertreter der Hundertschaften des Trierer Talkessels und zwar die Cender von Trier, Palliann (Pallien), Brucken (ein Dorf zwischen Euren und Pallien), Eucharius (später St. Matthias), Kuntzige (Konz), Uhren (Euren), Bejsse (Ort bei Avelsbach), Zeven (Zewen), Kirriche (Kirsch) und Eltershausen (ein Dorf bei Trierweiler). Die Thingstätte (Gerichtsplatz), wie auch der Galgen befanden sich nahe am Dorfe Euren nach der Mosel zu. In streng vorgesehener Sitzordnung ließ sich das Gericht (der Schultheis und die Cender) angesichts der Stadt Trier, die Sonne im Rücken, nieder. Dann wurde die Tagung eröffnet. Auf die Frage des Schultheisen "bekennen" die Cender der 10 Ortschaften das Hundelgeding. Es folgen, an den Cender der Stadt gerichtet, die "Hegungsfragen", ob es die rechte Thingzeit sei und wie man das Thing beginnen solle. Es wurde dann der Thingfrieden verkündet und während der Verhandlung jede Ungebühr bei Strafe verboten. Nach der Erledigung der formellen Allgemeinfragen erfolgten nach der Urkunde reihum die Fragen an die Cender und die Aburteilung wurde durchgeführt. Nachdem das Urteil gesprochen war, wurde der Dieb im Kreise des versammelten Thingvolkes herumgeführt, ob er einen Bürgen für seine Strafe finde. Wenn nicht, wurde er zum Tode durch Erhängen an dem dreiholzigen Galgen verurteilt.

Wenn ein Bürge dem Verbrecher das Leben rettete, wurde der Rechtsbrecher des Landes verwiesen und mußte "Urfehde" schwören, d.h. sich nicht am Kurfürsten, Stift, Stadt, Land und Leuten zu rächen.

Auf der ältesten bildlichen Darstellung von Euren aus dem Jahre 1589 befindet sich der dreiholzige Galgen vorne links im Bilde. Nach eingehender Untersuchung des Standortes kommt Hans Bohr in der Eurener Chronik, Band VI, S. 49ff. zu dem Schluß, daß der Galgen etwa 150 m von der Luxemburger Straße in Richtung Mosel links des Teichbaches gestanden hat. Das Vorhandensein des Galgens ist bereits für 1402 urkundlich bezeugt, da am 18. Mai 1401 eine Margaretha dem St. Jakobshospital u.a. "ein Feld an dem Galgen in Euren" geschenkt hat.

Bis zum Jahre 1590 wurden auch die in St. Matthias verurteilten in Euren hingerichtet.

Einem alten Brauch entsprechend mußten die Leiber der Gerichteten solange am Galgen hängen bleiben, bis sie am Strick verwesten und von selbst herunterfielen. Dann wurden sie unter dem Galgen begraben. Dies führte dazu, daß die Trierer keine Kirschen mehr vom Eurener Bann kauften, da die Spatzen sich an dem Fleisch der Gehängten gesättigt hatten, ehe sie in die Kirschen pickten. Beschwerden der Eurener hatten jedoch lange keinen Erfolg. Erst auf eine Beschwerde des Domprobstes Philipp Franz Wildrich Nepomuk Graf von Walderdorf, welcher das Schloss Monaise erbaut hatte, wurden die Leichen der Gehängten nunmehr vor Sonnenuntergang unter dem Galgen begraben.

Am 27. und 28. Juli 1794 wurde in Trier das Fest der Freiheit gefeiert und Befehl gegeben, das Schwert des Scharfrichters zu zerschlagen und den Eurener Galgen niederzureißen. Desweiteren wurden das alte Halseisen und die Folterwerkzeuge aus dem Gerichtshof verbrannt. Hinrichtungen fanden nun in der Stadt Trier selbst statt. Auf dem Hauptmarkt, zwischen Marktkreuz und Hauptwache, stand die Guillotine. Am 30. Mai 1799 fand die erste Hinrichtung mit dem Fallbeil statt.

An den Eurener Galgen erinnert heute noch der sogenannte "Ellenweg" (ellen = gruselig) und das sogenannte Galgenkreuz an der Luxemburgerstraße.

Auf der vorgenannten ältesten bildlichen Darstellung Eurens befinden sich neber der Kirche und dem Galgen auch noch das sogenannte "Heiligenhäuschen" und die Eurener Burg. Die Kreukapelle an der Straßenecke Im Spilles / Vor Plein hat die Jahrhunderte im wesentlichen unversehrt überdauert und ist auch heute noch in das kirchliche Leben der Pfarrei einbezogen. Am Palmsonntag sammelt sich unsere Gemeinde dort zur Palmweihe mit anschliessender Palmprozession in die Kirche.

Die Eurener Burg

Die Eurener Burg hat auf dem Bildnis die Form eines quadratischen Wehrturmes, der scheinbar nur in seinem oberen Teil Fensteröffnungen hat. Der Turm schließt oben mit einer Mauerbrüstung ab und ist an den Ecken mit niedrigen, leicht vorspringenden Türmchen verstärkt. Ausdrücklich erwähnt wird die Eurener Burg erstmals 1332 in einer Urkunde, in der Bonifaz von Schönecken mit seinem Bruder Gerhard Turm und Hof in Euren von Erzbischof Balduin zu Lehen genommen hat. Wahrscheinlich stand die Burg schon zu Zeiten Erzbischofs Poppo (1016-1047).

Die Burg wechselte mehrfach den Besitzer und wurde 1463 mit allen Liegenschaften von Ritter Godart von Wiltz (Luxemburg) dem St. Jakobshospital verkauft die dieses schon einmal 1442 in ihrem Besitz hatten. Das St. Jakobshospital verpachtete die Burg mitsamt der zugehörigen Mühle. Später dürfte die Mühle die Bedeutung der Burg überwogen haben. In einem Pachtvertrag vom 01. Oktober 1665 übernahm der Pächter die Verpflichtung, Burg und Mühle, sowie den Wasser- und Mühlendamm am Helenenbrunnen in gutem Bau zu halten. 1696 erklärten die Pächter, daß sie ihrer Verpflichtung zur Erhaltung der Burg nicht mehr nachkommen könnten, da das Wasser die Fundamente ganz ausgefressen habe und die Mauern ziemlich faul seien.
Die Reste der Burg sind am 04. Februar 1776 bei einem heftigen Sturm eingestürzt.

Während die Mühle an der Ecke Burgmühlen- / Eligiusstraße stand, ist der Standort der Burg nicht restlos geklärt. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, daß sie auf dem Mühlenbungert zwischen Helenenbrunnen, Eligiusstrasse und Burgmühlenstraße auf einer Anhöhe unweit der Mühle gestanden haben muß.

1609 hatte die Pfarrei Euren laut Pfarrvisitationsprotokoll 250 Kommunikanten und die Patronatsherrin war die Äbtissin von St. Agneten in Trier. Pastor war damals Heinrich von Luxemburg. Die Kirche besaß 4 Altäre, 4 Kelche und 1 Monstranz. Das Chor der Kirche baute die Patronatsherrin, das Kirchenschiff das Jakobshospital zu Trier und den Turm die Gemeinde.
Vom 30jährigen Krieg zu Napoleon I.

Die ersten Kriegsjahre des 30jährigen Krieges (1618-1648) blieb Euren weitgehend verschont, mußte aber später doch erheblich unter den Kriegsfolgen leiden. So berichtet Kaplan Böhm, daß die Kinder wegen den französischen Soldaten, die sich damals in Euren aufhielten, nicht in der Pfarrkirche getauft und die Ehen dort nicht eingesegnet werden konnten. Für 1644 ist im Kirchenbuch vermerkt, daß im Mai und Juni in St. Antonius getauft werden mußte, "weil unsere Heimat zerstört ist, das soll heißen, die uns gehörenden Häuser in Euren."

1673 erklärte Ludwig XIV. dem Kurfürsten von Trier den Krieg und die Franzosen rückten im Juli bis in die Nähe der Stadt Trier vor, wo sie auf der Eurener Flur ihr Lager errichteten. Über die Zustände berichtet uns der Maximiner Abt Alexander Henn in seinem Tagebuch: "Einen wahrhaft kläglichen und traurigen Anblick bot zur Zeit das trierische Land, als dieses diebische Gesindel den ganzen Monat August hindurch allenthalben umherschweifte, und gleich Geiern alles zerfleischte, verunreinigte und verwüstete, die Bewohner aber von Hunger und Elend erschöpft in den Schlupfwinkeln wilder Tiere kaum ihr Leben fristeten."

Am 8. September 1673 drangen die Franzosen mit 6000 Mann in die Stadt ein und es begann eine Schreckensherrschaft unter General Vignery der auch Kirchen und Abteien vor der Stadt zerstören ließ.

Im August 1674 erklärte Deutschland Frankreich den Reichskrieg und eine Armee erhielt die Aufgabe Trier zurück zu gewinnen. Am 4. August begann unter dem Kommando Baron von der Leyens die Belagerung der Stadt. Bei einem Ausfallversuch der in der Stadt eingeschlossenender Franzosen wurde Euren am 10. August niedergebrannt. Am darauffolgenden Tag suchten die Franzosen nach der Schlacht bei Konz, in der die französische Armee entscheidend geschlagen wurde, erneut Euren heim und äscherten auch noch die übriggebliebenen Gebäude, die Kirche und die Mühle ein. Am 29. August 1674 mußten die Franzosen Trier aufgeben.

Wann nach dieser Verwüstung unserer Heimat Euren einschließlich der Kirche wieder aufgebaut wurde, ist noch nicht hinreichend erforscht.

Foto: Alte Eurener Kirche nach J. N. von WilmowskyNach einer Unterbrechung von mehr als 100 Jahren fanden unter Bischof Johann Philipp von Walderdorff nach 1757 wieder Pfarrvisitationen statt. Bei der im Jahre 1759 vorgenommenen Visitation hatte Euren ungefähr 300 Kommunikanten und alle Dinge wurden in bestem Zustande gefunden. Die Kinder waren sehr gut unterrichtet und Pfarrer war seit 25. April des Jahres Jakob Bour aus Freisen.

1794 brachte die französische Revolution neues Unheil über das Trierer Land als am 10. August die französischen Truppen in Trier einrückten. Der zeitgenössische Bericht eines Eurener Bürgers, veröffentlicht in der Eurener Chronik Nr. X S. 49-52, schildert die damalige Lage wie folgt: "Im Jahre 1794, den 10. August, rückten die französischen Truppen in Trier ein. Etliche Bürger hiesigen Dorfes, von Schrecken und Furcht überfallen, packten ihre Möbel, Frau und Kinder auf Wagen, um auszuwandern, wurde ihnen aber doch mißraten und blieben zu Hause. Die hiesigen Bürger verstachen und vergruben ihre Möbel und Gelder so gut sie konnten, und weil vorzüglich der Mißhandlung der Geistlichen gedroht wurde, so flüchteten der Pastor und Lehrer nach Kesten, als dem Geburtsort des Ersteren. Beim Anrücken der Avant Garde in hiesiges Dorf wurde von selber, jedoch ohne besondere Mißhandlungen geplündert: Stuben, Bettungen, Keller visitiert und was an Fleisch, Brot und Eßwaren, Kleidungsstücken vorfundig gewesen, von den Soldaten weggenommen. Rothe Husaren sprengten mit dem bloßen Säbel und Pistolen in der Hand in und um das Dorf und verlangten mit Gewalt Geld; Bürgern von hier, welche im Trierer und andern Wegen umherirrten, wurden die Säcke visitiert und das darin befindliche Geld abgenommen. Das Militaire wechselte mit denen ihnen begegneten Leuten ihre zerrissenen Beinkleider, Schuh und Strümpf; die ungeladenen Gäste waren wie ausgehungert."

Pastor Matthias Bollig, genannt Altrich, war seit 1793 Pfarrer in Euren. Seinem Eifer ist es zu verdanken, daß die Eurener Gemeinde trotz der üblen Umstände in den Jahren 1804/05 eine Kirchenverbesserung und -vergrößerung unternahm.
Die Schließung der Augustinerkirche in Trier 1804 bot die Möglichkeit u.a. sechs Betstühle mit Holzschnitzereien günstig zu erwerben. Als besonderen Erwerb darf aber das etwa 2 m große Triumpfkreuz, der sog. "Alte Eurener Herrgott", bezeichnet werden. Der Kunsthistoriker Hermann Beenken datiert im Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft Band XIII, S. 98-102, das Kreuz auf das Jahr 1250. Mehrfach wurde der Standort des Kreuzes verändert. Heute hängt es im Hochchor der Pfarrkirche.
Als die Trierer Gegend nach der Eroberung durch Napoleon I. französisch wurde, bot sich den Eurenern eine gute Gelegenheit günstig Haus- und Grundbesitz zu erwerben da bestimmt worden war, daß alle kirchlichen Institute außer den Domkapiteln und Seminarien aufgehoben seien und die Hospitalgüter an die Eingesessenen verkauft werden mussten.

In Euren gab es damals 7 Klosterhöfe: 1. der Jesuitenhof, 2. der Simeonshof, 3. der Echternacherhof, 4. der Mattheiserhof, 5. der Katharinenhof, 6. der Himmeroderhof sowie 7. der Karthäuserhof.

Auf Veranlassung und unter der Führung von Ortsvorsteher Johann Herrmann sen., der 1789 gegen den hartnäckigen Widerstand der Eurener durch den damaligen Pfarrer Thull als erster weltliche Lehrer eingestellt wurde, ersteigerten die Eurener Bauern - zum Teil gemeinsam - am 21. September 1808 die St. Annengüter und am 17. August 1813 das Gemeindewildland. Nachdem das ersteigerte Land und den Ansteigerern aufgeteilt wurde besaßen nun manche der ehemaligen Klosterpächter eigenen Grund und Boden.

Doch dieser wirtschaftliche Aufschwung währte nicht lange, da nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813/14 die geschlagenen französischen Heere samt ihren nachdrängenden Verfolger durch das hiesige Land zogen. Ein Eurener Zeitgenosse berichtet uns, daß es damals 54 Tote gegeben habe und durch die von den Franzosen eingeschleppten Krankheiten ganze Häuser ausgestorben seien.

1848/49 wütete die Cholera in der Stadt Trier und Umgebung, doch hatte Euren damals Glück. Wie die Erinnerungs- und Danktafel aus dem Jahre 1849 besagt, ist Euren von dieser Pein verschont geblieben.

Die neue Eurener Kirche

1870 forderte der Krieg mit Frankreich erneut seine Opfer. Nach dem Friedenschluß wurde im Frühjahr 1871 ein Kirchenneubau in Angriff genommen da die bestehende Kirche durch die gestiegene Einwohnerzahl zu klein geworden war. Da der Platz der alten Kirche samt des alten Kirchhofes zum Bau der neuen größeren Kirche nicht ausreichte beschloß man den Karthäuserhof anzukaufen und niederzureißen. Der Trierer Architekt entwarf den Bauplan auf Wunsch des Pastors Bellinger in gotischem Stil. Die Bauausführung wurde dem Bauunternehmer Medgen übertragen, die technische Leitung unterstand dem Baumeister Mattung.

Am 28. Januar 1874 begann man mit der Aushebung des Fundamentes und stieß auf die bereits 1859/60 durch Domkapitular von Wilmowsky untersuchten Mosaikböden und weitere umfangreiche römische Baureste. Unter dem Hochalter der alten Kirche fand man einen Steinsarg, der aber im Auftrag des Bauunternehmers sofort wieder zugeschüttet wurde da man eine Bauverzögerung befürchtete. Es sei an dieser Stelle angemerkt, das im Jahre 1922 der damalige Pastor Schifferings nach diesem Steinsarg suchen ließ. Dabei fand man vor der Kommunionbank einen Stein mit christlichen Friedenszeichen und den mächtig großen Steinsarg welcher umgeben war von einer Reihe von Skeletten, welche wohl in Holzsärgen beigesetzt worden waren. Aus einem bis heute nicht bekannten Grund sind die Grabungen dann aber plötzlich wieder eingestellt worden.

Am Ostermontag, dem 6. April 1874, erfolgte nachmittags um 3 Uhr die feierliche Grundsteinlegung durch den Stadtdechanten Adolf Schue, Pfarrer in St. Gangolf. Der Bauplatz und die zu ihm führenden Straßen waren mit Fahnen und Girlanden festlich geschmückt. Neben der Dedikationstafel wurden ferner eine Anzahl damals kursierender Reichsmünzen, Steine von Stätten des heiligen Landes, Staub vom Grabe der unschuldigen Kindlein, ein Stück Wurzel eines alten Ölbaumes vom Ölberg sowie eine in eine Flasche eingeschlossene und versiegelte Pergamenturkunde in den Grundstein hinein gelegt. Die Gegenstände aus dem heiligen Land hatte der aus Euren gebürtige Professor Fisch von seiner Reise an die heiligen Stätten mitgebracht.
Die feierliche Besitzergreifung der neuen Kirche fand am Patronatsfest der hl. Helena am 27. August des Jahres 1876 unter großer Beteiligung statt. Das Hochamt zelebrierte wiederum Stadtdechant Adolf Schue, assistiert von Pfarrer Lehnen aus St. Gervasius, Pfarrer Kewenig aus St. Matthias und Pfarrer Consbrück aus Zewen. Die Festrede hielt Herr Definitor Diel aus Ruwer.

Da der Trierer Bischof Eberhard am 30. Mai 1876 verstorben war und der damalige Weihbischof Kraft keine bischöflichen Funktionen vornehmen durfte, war eine Konsekrierung der Kirche zunächst nicht möglich. Die feierliche Einweihung fand schließlich am Sonntag den 8. April 1883 durch den neuen Bischof Korum statt. Nach der Konsekration und einem Festhochamt am Vormittag ehrte Bischof Korum am Nachmittag durch seinen Besuch den ältesten Priester seiner Diözese, den aus Euren stammenden 91jährigen Pastor Dahlem.

Foto: Pfarrhaus mit Kirche1886 begann man mit dem Bau eines neuen Pfarrhauses wobei man beim Ausheben des Fundamentes wiederum auf römische Baureste und einen halbkreisförmigen Turm stieß. Am 26. Oktober 1888 konnte das Pfarrhaus durch den neuen Pastor Limburg - Pastor Bellinger war am 24. Mai 1888 nach 20jähriger Wirkungszeit in Euren verstorben - bezogen werden.

Unter den Pastören Limburg, Stöck, Johanny und Schifferings wurde die neue Kirche im Inneren hinsichtlich der Altäre, Kirchenfenster, Statuen und Fahnen weiter ausgestattet und ausgeschmückt. Die Ausmalung der Kirche erfolgte durch den Kirchenmaler Teffgen während der Kirchenmaler Trierweiler aus Zewen 1902 die Bilder des Hochchores schuf.

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 unterbrach die friedliche Weiterentwicklung der Pfarrei und ihrer Angehörigen, die sich seit 1911 durch den Bau des Reichsbahnausbesserungswerkes verdoppelt hatten. Bis zu seinem Ende 1918 forderte der Krieg in Euren 29 Opfer.

1926 wurden unter Pastor Theis neue Glocken sowie 8 neue Kirchenfenster mit Motiven aus dem Leben der hl. Helena angeschafft. Wenig später wurde die Orgel instand gesetzt und umgebaut.

Eingemeindung in die Stadt Trier

Die seit 1927 andauernden Verhandlungen um die Eingemeindung mehrerer Trierer Vororte zwischen der Stadt Trier und der Kreisverwaltung wurden von der Mehrheit der Eurener Einwohner stark unterstützt. Am 8. März 1929 schließlich besiegelten der Trierer Oberbürgermeister Heinrich Weitz, der Vororte-Bürgermeister Seber und der Eurener Gemeindevorsteher Nossem-Deutsch die Eingemeindung Eurens. Im Mai 1930 wurde Euren nach Abstimmung im preußischen Landtag gemeinsam mit Biewer, Olewig und Kürenz endgültig in die Stadt Trier eingemeindet.

Keine drei Jahre später zogen mit der Berufung Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 zum deutschen Reichskanzler und der damit verbundenen Machtergreifung der Nationalsozialisten dunkle Wolken über das ganze Land die sich im fürcherlichen Gewitter des 2. Weltkrieges (1939-1945) entluden.

Zahlreiche Eurener Familien weinten um ihre Gefallenen. 378 Eurener Opfer forderte der Krieg, elf davon starben bei Bombenangriffen auf Euren. Von den 76 vermissten Soldaten sind bis heute etwa 50 noch immer nicht offiziell für tot erklärt worden.

Foto: Gedenkstein - Den Gefallenen des Krieges gewidmetDie Luftangriffe am 1. April 1943, am 14. August 1944 und am 4. November 1944 richteten in unserem Ort manche Schäden an. Die ersten Granaten schlugen am 17. Oktober 1944 ein und forderten in Euren drei Todesopfer. In den frühen Morgenstunden des 8. Dezember 1944 wurden die Eurener jäh aus ihrem Schlaf gerissen als eine schwere Grante in die Kirche einschlug. Das Gewölbe im Mittelschiff sowie im rechten Seitenschiff brach zusammen und große Teile des Dachstuhles stürzten ein. Da eine weitere Benutzung der Kirche nicht mehr möglich war zog man am 11. Dezember 1944 in den Keller des Gasthauses "Zur Goldenen Taube", der mit seinen dicken Mauern eine gewisse Sicherheit bot. Dank der Familie Haag-Schiff feierten die Eurener, welche noch nicht evakuiert waren, hier das Weihnachtsfest 1944.

Am 1. März 1945 drangen die amerikanischen Truppen in das Trierer Umland ein und besetzten auch Euren. Pastor Nikolaus Theis ist es zu verdanken, das man sich beim Wiederaufbau der Eurener Kirche nicht mit einer Notlösung begnügte, in welcher man eine flache Holzdecke einziehen wollte. sondern die Kirche wieder so aufbaute wie sie war - mit Gewölbe. Kurz vor Weihnachten des Jahres 1948 war es dank der Tastkraft und Opferbereitschaft der Eurener geschafft. Unter großer Teilnahme wurde die Christmette wieder in der Eurener Kirche gefeiert.

Die Pfarrei zählte 1955 bereits 4000 Seelen. Das bisher dörflich geprägte Erscheinungsbild unseres Dorfes änderte sich nach dem Kriege zusehends. Alte Bauerhäuser wurden durch neue Häuser ersetzt, Stall- und Ökonomiegebäude zu Wohnungen umgebaut oder gar abgerissen.

Am 6. August 1957 schliessen sich elf Eurener Vereine auf Initiative des Pastors Walter Hauth zum Kulturring Euren zusammen. Der Kulturring versteht sich als Dachorganisation der Eurener Vereine um diesen ein Forum zur gegenseitigen Verständigung zu bieten. Die alljährliche Ausrichtung der Eurener Kirmes im August ist der Höhepunkt der gemeinsamen Veranstaltungen.

Am 15. August 1958 eröffnet Peter Schütz in der Udostrasse das Gasthaus Schütz, welches sich heute großer regionaler Bekanntheit erfreut - dank seiner Spezialität: Hähnchen und Viez vom Fass! Aufgrund der weiter wachsenden Beliebtheit erweitert er das Lokal und baut später auch ein 50 Betten zählendes Hotel mit einer Freizeitanlage im südländischen Stil mit Liegewiesen, Terrassen und Springbrunnen.

Foto:  Die Mariengrotte auf dem Langenberg1962 schenkten die Erben Grundheber und Nossem der Pfarrei die im Langenberg gelegene Mariengrotte. Diese wurde ausgebaut und erfreut sich seither großer Beliebtheit. Am Morgen des 1. Mai feiert die Gemeinde dort die Heilige Messe im Freien. Desweiteren geht im Mai eine Bittprozession zur Mariengrotte wo dann ebenfalls ein Gottesdienst gefeiert wird.

Im März 1965 bestellte die Pfarrei eine neu Orgel mit 30 Registern und 3 Manualen, welche am Christkönigsfest 1966 zur großen Freude der Pfarrangehörigen eingeweiht wurde.

1966 verlor die Pfarrei Euren 577 Pfarrangehörige, da zur Gründung der neuen Pfarrei St. Simeon Teile der Eurener Strasse und der Schweringstrasse, sowie die Jahnstrasse, Spirostrasse, Mohrenkopfstrasse und Im Schankenbungert abgetrennt wurden.

Der Eurener Kameradenverein baut 1974 im idyllisch gelegenen Waldfrieden sein Klub-Haus. Seit den 80er Jahren wird diese Kameraden-Hütte auch vermietet und erfreut sich seither stetig steigender Beliebtheit. Ob Hochzeit, Taufe, Kommunion oder Abi-Feier, die komplett ausgestattete Grillhütte ist wegen ihrer idealen Lage bei Jung und Alt beliebt.

In den Jahren 1974-75 wurde rechtzeitig 100-Jahr-Feier - und zur 900-Jahr-Feier der Pfarrei - die Pfarrkirche aufwendig restauriert, u.a. wurden die Wände trockengelegt, die Elektroinstallation erneuert und die Aussenwände saniert. Desweiteren wurde der Innenraum nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten erneuert und neu ausgemalt. So erhielt unsere Pfarrgemeinde von der Nachbarpfarrei St. Matthias einen im Jahre 1909 von Caspar Weiss geschaffenen neugotischen Flügelaltar, der bis 1927 in der Matthiasbasilika stand. Der Altar stellt die Passion Jesu dar: Einzug in Jerusalem, Tempelreinigung, Jesus am Ölberg, Geisselung, Dornenkrönung, Pilatus wäscht seine Hände, Abstieg Jesu in die Vorhölle, Auferstehung, Himmelfahrt und Jüngstes Gericht.

1986 mietet der Kulturring Euren das ehemalige Wirtshaus "Zum Grünen Wald", renoviert das Gebäude grundlegend und eröffnet 1987 das neue Bürgerhaus, da für Veranstaltungen und Konzerte bisher nur die Turnhalle der Grundschule zur Verfügung stand. In mehr als 9000 Arbeitsstunden schafften die Vereinsmitglieder, auch Dank der Spenden Eurener Bürger, einen Glanzpunkt im Ortskern, der als kultureller Treffpunkt regelmäßig und gerne genutzt wird. Im Frontgebäude an der St.-Helena-Strasse hat das Jugendzentrum Euren seinen Sitz. 1998 erwirbt der Kulturring Euren das bisher gemietete Bürgerhaus für 650 000 Mark.

Soweit der kurze aber interessante Rückblick in die über 2000jährige Geschichte unserer Heimat.

Quellen:
Eurener Chronik, Band I - X, 1926-1935.
Remi Couzard, Sainte Hélène d'après l'histoire et la tradition, Paris 1911.
Johannes Straubinger, Die Kreuzauffindungslegende. Unters. über ihre altchristl. Fassungen mit bes. Berücks. der syr. Texte, 1912.
Joseph Vogt, Constantin der Große und sein Jahrhundert, 2. neubearb. Aufl., München 1960.
Bernhard Kötting, Peregrinatio religiosa. Wallfahrten in der Antike u. das Pilgerwesen in der alten Kirche, 1950.
Festschrift zur 900-Jahrfeier der Pfarrei St. Helena 1975. Trier 1975.


 

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