Von Thomas P. Reuter

Im Jahre 1910 gründeten Eurener Heimatfreunde auf Initiative des Heimatforschers Hans Bohr und des Heimatdichters Ludwig Steinbach den Verein für ortsgeschichtliche Forschungen Euren.

Mitglieder des Vereins für ortsgeschichtliche Forschungen Euren - anno 1930Ziel des Vereins war die Erforschung der Eurener Geschichte, Familienforschung, Pflege und Erhaltung alter Sitten und Bräuche, Sammlung historischer Schriften und Gegenstände, Pflege der Mundart, Erhaltung von Volks- und Heimatliedern, Pflege historischer Denkmäler und - nicht zu vergessen - die Schaffung einer Eurener Chronik.

Auf der Generalversammlung des Vereins für ortsgeschichtliche Forschungen Euren am 22. November 1924 stellte der 1. Vorsitzende Hans Bohr den Mitgliedern ein reichhaltiges Programm vor - u. a. regte er an, einen Stammbaum aller Eurener Familien aufzubauen. Ein kleiner Teil dieser Arbeiten konnte in der Eurener Chronik veröffentlicht werden, doch blieb dieses Werk von bleibendem ortsgeschichtlichem Wert leider unvollendet.

Im Januar 1926 erschien unter dem Titel Beiträge zur Chronik der Pfarr- und Civilgemeinde Euren das erste Heft der Eurener Chronik.

Auf Seite 1 schrieb der Vorstand des Vereins an seine Mitglieder:

»Die "Beiträge" bringen in zwangloser Reihenfolge Berichte über die Geschichte, Sitten und Sprache von Euren. Jedes Mitglied ist damit in die Lage gesetzt, sich selbst eine Ortschronik durch die Aufbewahrung der Blätter anzulegen. Für Anregungen und Ueberweisung geeigneter Berichte ist der Vorstand sehr dankbar.«

Eurener Chronik - IX. JahrgangMit Beginn des 5. Jahrgangs nannte sich die Zeitschrift dann auch offiziell Eurener Chronik.

Hans Bohr, Ludwig Steinbach, Johann Baptist Georg, Matthias Fisch, Karl Nossem und andere veröffentlichten in der Eurener Chronik eine recht stattliche Anzahl von Aufsätzen und Abhandlungen der Ergebnisse ihrer langjährigen Arbeiten: Die römische Villa in Euren, Eurener Haus- und Familiennamen, Aus der Geschichte unserer Pfarrei (1609-1778), Die Zerstörung Eurens im Jahre 1300, Der römische Prachtbrunnen bei Euren, Die alten Klosterhöfe von Euren, Vom Eurener Galgen, Alt-Eurener Familien, Der Eurener im Spiegel seiner Mundart, Die Eurener Familie Herrmann u.v.a.

Im Herbst 1935 erschien im 10. Jahrgang mit der Doppelnummer 7 u. 8 dann leider das letzte Heft der Eurener Chronik. Die allgemein schlechte Wirtschaftslage, aber auch der Druck örtlicher NS-Stellen auf einzelne Vorstandsmitglieder waren dann ursächlich für die Auflösung des Vereins. Erwähnt sei an dieser Stelle der Druck der Trierer Nationalsozialisten auf den damaligen Vorsitzenden des Vereins Hans Bohr, nachdem dieser einen Ruf zum NS-Amt für Sippenforschung in Berlin abgelehnt hatte, der ihn Ende 1935 dazu veranlasste seinen Vorsitz niederzulegen. Da man hierdurch dem Verein das Herz entrissen hatte, war das Schicksal des Vereins für ortsgeschichtliche Forschungen besiegelt.

Die umfangreiche Sammlung an Dokumenten, Schriften und Ausgrabungsgegenständen, welche sich der Verein so mühevoll zugelegt hatte, ging in der Folgezeit leider verloren. Man kann aber davon ausgehen, dass die einzelnen Stücke in Eurener Familien ein neues zuhause fanden, die es heute natürlich als ihr Eigentum betrachten.

Viele Vereins-Mitglieder haben sich damals die Eurener Chronik einbinden lassen - heute sind diese wertvollen Exemplare gesucht und sehr begehrt.

Anfang der 80er Jahre machte sich der Eurener Buchbinder Kieffer die lohnenswerte Mühe, einen kompletten Satz aller erschienenen Hefte der Eurener Chronik zu fotokopieren und zu einem einzigen kräftigen Buch zu binden. Dieses Buch wurde in Euren gerne aufgenommen und machte auch seinen Weg durch Deutschland - so entdeckte ich beispielsweise ein gut erhaltenes Exemplar in einem Münchner Antiquariat.

Dank moderner Technik ist es nun möglich, dieses wichtige Werk auch für die Nachwelt zu erhalten. Hierzu haben wir die komplette Eurener Chronik edv-mässig erfasst und wollen sie der Allgemeinheit hier zugänglich machen. Nach und nach werden wir die einzelnen Texte auf dieser Homepage ergänzen bis die komplette Chronik online ist.

Außerdem wollen wir durch eigene NEUE BEITRÄGE versuchen die Arbeit dieser eifrigen Heimatforscher fortzuführen. SIE können uns hierbei jederzeit mit eigenen Beiträgen unterstützen. Helfen Sie uns die Eurener Geschichte aufzuschreiben und für nachkommende Generationen festzuhalten.

An dieser Stelle noch ein Aufruf an Sie:
Sollten Sie Exemplare der Eurener Chronik (gebunden oder einzeln) besitzen, die sie nicht mehr benötigen, dann wenden Sie sich an uns. Diese Hefte dürfen nicht weggeworfen werden! Man muss sie für die nachfolgenden Generationen bewahren. Das gleiche gilt auch für Urkunden, Stammbücher und Fotos aus und über Euren - wir sammeln diese in unserem Archiv. Bitte nehmen Sie dazu Kontakt mit uns auf: info@euren.de

Quellen:
Eurener Chronik, Band I - X, 1926-1935.
Festschrift zur 900-Jahrfeier der Pfarrei St. Helena 1975. Trier 1975.
Privatarchiv Thomas P. Reuter, Trier-Euren.


 
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zuletzt aktualisiert am: 21. November 2003